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Erschienen:
2026-01-12
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Situation und Konstellation: Vom Verschwinden des Spielraums

Kritik

# Hartmut Rosas „Situation und Konstellation“ – Wenn der Spielraum schwindet

Schon beim Aufschlagen von Situation und Konstellation: Vom Verschwinden des Spielraums hatte ich sofort das Gefühl, mitten in einem großen, gesellschaftlichen Problem zu stecken – ohne es wirklich greifen zu können. Hartmut Rosa gelingt es, diese diffuse Unzufriedenheit in klare Worte zu fassen, die mehr als nur nachdenklich machen.

Worum geht’s? Rosa beleuchtet, wie unser Alltag zunehmend von Algorithmen, Formularen und starren Regeln bestimmt wird. Ob Lehrerin, Ärztin oder Schiedsrichter: Ihr Handeln wird immer mehr vorgefertigten Schienen unterworfen, die wenig Platz für spontanes Entscheiden lassen. Weg ist die Freiheit des Ermessens, her kommt die „Vollzugslogik“ der Maschinen. Das Resultat? Weniger Kreativität, weniger Eigeninitiative, mehr Ohnmacht. Und genau da setzt Rosa an: Er zeigt, wie wir dieser Entmündigung entgegenwirken können – indem wir Handlungsfähigkeit zurückgewinnen, im Großen wie im Kleinen.

Die Erzählung lebt von anschaulichen Beispielen und einer klaren Sprache, die auch komplizierte soziologische Thesen zugänglich macht. Kein Fachchinesisch, sondern ehrliche Reflexion. Besonders spannend fand ich, wie Rosa nicht nur das Problem skizziert, sondern aufzeigt, wo die Lösung liegen könnte. Das macht das Buch nicht nur theoretisch, sondern auch motivierend. Man erwischt sich dabei, selbst über den eigenen Alltag nachzudenken.

Klar, der Fokus liegt auf Analyse und Theorie, was das Buch für manche Lesende stellenweise etwas schwerfällig machen kann. Wer eine lockere Lektüre fürs Wochenende sucht, wird vielleicht etwas mehr Tiefgang vermissen. Außerdem sind manche Argumentationen an manchen Stellen etwas dicht gepackt – da musste ich beim Lesen schon mal zwei Sekunden innehalten.

Fazit: Wer Interesse daran hat, wie Technik, Bürokratie und Digitalisierung unsere Freiheit zusehends einschränken und was wir dagegen tun können, sollte dieses Buch nicht verpassen. Ein wichtiger Denkanstoß, der uns allen mehr Spielraum im Alltag wünscht.

Bewertung: 4 von 5 Sternen – hochaktuell, tiefgründig und anregend, aber mit kleiner Hürde für Schnellleser.

Klappentext

Die Lehrerin, die Noten nicht zur Ermutigung vergeben kann, die Ärztin, die Bildschirme statt Patienten behandelt, der Schiri, dessen Augenmaß vom VAR verdrängt wird: Unmerklich verändert sich in der Gegenwartsgesellschaft der Charakter unseres Handelns. Insbesondere im Berufsleben, aber zunehmend auch in der Freizeit zeichnen uns Richtlinien und Formulare, Algorithmen und Apps die Wege zur Entscheidungsfindung minutiös vor. An die Stelle situationssensiblen Überlegens und Urteilens tritt die konstellationsbasierte Vollzugslogik der Maschinen, mit denen wir tagein, tagaus hantieren. »Stimme zu« / »Stimme nicht zu« – so werden Handelnde zu Vollziehenden.

Diese Entwicklung, sosehr sie der Gerechtigkeit und Transparenz dienen mag, hat einen hohen Preis, den Hartmut Rosa in seinem neuen Augenöffner auf anschauliche Weise beziffert. Denn wenn Ermessensspielräume verschwinden und die Kreativität menschlichen Handelns aus den alltäglichen Praxisvollzügen eliminiert wird, wächst das Gefühl der Ohnmacht. Und mit der Urteilskraft verkümmert die Handlungsenergie als solche. Doch wie können wir diesem individuellen und kollektiven Energieverlust der Gesellschaft entgegenwirken? Indem wir, so Rosa, die menschliche Handlungsfähigkeit stärken, und zwar auf allen Ebenen der sozialen Existenz.

FAQ

Die Lehrerin, die Noten nicht zur Ermutigung vergeben kann, die Ärztin, die Bildschirme statt Patienten behandelt, der Schiri, dessen Augenmaß vom VAR verdrängt wird: Unmerklich verändert sich in der Gegenwartsgesellschaft der Charakter unseres Handelns.…

Wer Interesse daran hat, wie Technik, Bürokratie und Digitalisierung unsere Freiheit zusehends einschränken und was wir dagegen tun können, sollte dieses Buch nicht verpassen. Ein wichtiger Denkanstoß, der uns allen mehr Spielraum im Alltag wünscht. Bewertung: 4 von 5 Sternen – hochaktuell, tiefgründig und anregend, aber mit kleiner Hürde für Schnellleser.

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