Die Nachbarn von oben (Ungekürzt)
Kritik
Manchmal zieht man in eine neue Wohnung – und plötzlich fühlt sich alles an, als sei man in einem Thriller gelandet, bei dem man das Drehbuch selbst schreibt. Genau dieses Gefühl hat mich Shalini Bolands Die Nachbarn von oben erleben lassen: Ein scheinbar harmloser Neustart, der sich ziemlich schnell zum nervenzerrenden Psychospiel entwickelt.
In der Geschichte folgt man der Protagonistin, die mit ihrem Partner Zac in ein Appartement zieht, um endlich Abstand von der Vergangenheit zu gewinnen. Die Nachbarn, Chris und Vanessa, wirken zunächst wie nette Zeitgenossen – bis merkwürdige Ereignisse und Streitigkeiten von oben das Bild trüben und langsam eine bedrohliche Stimmung entsteht. Zac gerät zwischen Misstrauen und Geheimnisse, und man selbst fragt sich konstant: Wer erzählt hier die Wahrheit? Und wer spielt mit wem Katz und Maus?
Shalini Boland gelingt es mit ihrem klaren, zeitgemäßen Schreibstil, eine unglaubliche Spannung aufzubauen, ohne in den üblichen Thriller-Klischees zu versinken. Die Charaktere sind keine eindimensionalen Figuren, sondern ansprechend mit kleinen Ecken und Kanten gestaltet, die das Ganze glaubwürdig machen. Besonders spannend fand ich, wie die Geschichte mit falschen Fährten spielt und es immer wieder unvorhersehbare Wendungen gibt – ich musste ständig meine eigenen Theorien über Bord werfen.
Natürlich gibt es ein paar kleine Haken: Manchmal dröppelt die Handlung ein bisschen zu sehr in Nebenstränge ab, die das Tempo etwas bremsen. Und nicht alle Motive der Figuren sind bis zum Schluss komplett nachvollziehbar – aber mal ehrlich, in so einem Psychothriller darf auch mal ein bisschen Chaos regieren! Für mich war das eher ein willkommener zusätzlicher Nervenkitzel.
Fazit: Wer Lust auf einen rundum spannenden Psychothriller hat, der mit cleveren Twists daherkommt und einen sofort in den Bann zieht, ist hier absolut richtig. Die Nachbarn von oben ist genau das Buch, das man an einem regnerischen Nachmittag (oder auch mitten in der Nacht) nicht aus der Hand legen will. Perfekt für alle Fans von packenden Stories à la Gillian Flynn oder Arno Strobel.
Bewertung: 4 von 5 Sternen
Ein bisschen Luft nach oben, aber definitiv ein mitreißender Pageturner, der Lust macht auf mehr aus der Feder von Boland.