Brisante Suche nach Gerechtigkeit
Kritik
Kaum schlägt man die ersten Seiten von „Brisante Suche nach Gerechtigkeit“ auf, spürt man sofort die drückende Nachkriegsstimmung und Roxis stille Entschlossenheit – eine Frau, die sich nicht damit abfinden will, dass das Unrecht weiterlebt. Marion Kummerow entführt uns ins Jahr 1947, in eine Zeit, in der das Leben der Menschen zwischen Aufbau und Verdrängung pendelt. Roxis Geschichte ist fesselnd, weil sie so nah dran ist an der Wahrheit vieler, die nach dem Krieg kaum eine Chance auf Gerechtigkeit hatten.
Die Handlung dreht sich um den Fund eines Talismans, der Roxi schlagartig vor Augen führt, dass der Mann, der ihre Familie vernichtet hat, nicht nur am Leben ist, sondern unter falschem Namen in Essen sein Unwesen treibt. Dieses gefährliche Katz-und-Maus-Spiel gegen ein System, das eher wegschaut als hilft, zieht dich sofort in den Bann. Man fiebert mit jeder Szene mit, in der Roxi versucht, handelt und doch ständig mit dem Risiko eines erneuten Verlusts konfrontiert wird.
Die Figuren sind vielschichtig und absolut glaubwürdig. Roxi sticht als eine starke, aber verletzliche Protagonistin hervor, deren innerer Konflikt und Mut einem lange im Kopf bleiben. Kummerows Schreibstil ist klar, direkt und trotzdem atmosphärisch dicht – ein wichtiger Balanceakt, der dem historischen Setting gerecht wird, ohne zu trocken zu wirken. Besonders beeindruckt hat mich, wie sie es schafft, diese schwere Thematik sensibel und eindringlich zugleich zu vermitteln.
Was vielleicht ein wenig hakt, ist der Erzählfluss an Stellen, die sich etwas in Details verlieren und dadurch die Spannung kurz ausbremsen. Aber hey, das ist Meckern auf hohem Niveau, denn insgesamt packt das Buch einen viel stärker als man anfangs erwarten würde.
Wer Lust auf einen historischen Roman hat, der nicht nur unterhält, sondern auch zum Nachdenken anregt und dabei eine beeindruckende Frauenfigur in den Mittelpunkt stellt, der ist hier genau richtig. Für alle, die Geschichten über Nachkriegsschicksale, Mut und unbequeme Wahrheit mögen, gibt es kaum einen besseren Tipp.
4 von 5 Sternen – ein starkes Buch, das besonders nachhallt, wenn man die letzte Seite umgeblättert hat.