Kalte Asche - David Hunter, Band 2 (Ungekürzte Lesung)
Kritik
Kaum hatte ich „Kalte Asche“ angefangen, war ich sofort mittendrin im eisigen Griff der schottischen Insel Runa – und zwar so richtig. Simon Beckett schickt den Rechtsmediziner David Hunter in ein klaustrophobisches Szenario, das einen nicht mehr loslässt: Ein scheinbar rätselhafter Todesfall, eine Insel abgeschnitten vom Rest der Welt durch einen Sturm – und ein Mörder, der irgendwo dort draußen lauert. Spannung pur, und das wirklich von der ersten bis zur letzten Minute der ungekürzten Lesung.
Die Handlung ist clever gebaut und hält genau die richtige Balance aus Krimi-Elementen und psychologischem Nervenkitzel. Dabei steht David Hunter für mich als Hauptfigur wieder mal superzentral: Er wirkt menschlich und nachvollziehbar, kein überhöhter Held, sondern ein Profi, der mit seinen eigenen Dämonen kämpft. Das macht die Geschichte richtig greifbar und gibt ihr Tiefe, ohne wegzudriften in typische Klischees. Becketts Schreibstil ist schnörkellos, aber sehr atmosphärisch – man fühlt die Kälte, die Einsamkeit und auch die bedrohliche Nähe des Mörders.
Was mir besonders gefallen hat, ist wie die Insel quasi selbst zur dritten Hauptfigur wird. Die Szenerie ist so detailliert beschrieben, dass man sich fast eiskalte Winde um die Nase wehen fühlt und mit einem Auge immer nach dem Schatten des Täters Ausschau hält. Einziger kleiner Wermutstropfen: Manchmal hätte ich mir etwas mehr Tempo gewünscht, gerade zu Beginn zieht sich die Spannung gelegentlich etwas hin. Aber hey, das macht den Aufbau des Mysteriums irgendwie realistischer.
Wenn du auf düstere, packende Thriller stehst, in denen Atmosphäre und Charaktere genauso wichtig sind wie die Handlung, dann ist „Kalte Asche“ definitiv eine Empfehlung wert. Simon Beckett versteht es, den Grusel langsam und subtil zu steigern, bis man kaum noch Luft holen kann. Für alle Fans von knackigen, cleveren Krimis ein echter Treffer.
4 von 5 Sternen – weil die Geschichte mit ihrer Intensität und dem starken Hauptcharakter voll überzeugt, auch wenn der Start ein bisschen mehr Drive vertragen hätte. Ein Hörbuch, das man gern bis zum letzten Wort hört.