Die Assistentin (Ungekürzte Lesung)
Kritik
Manchmal sind es genau diese Geschichten, die einen packen, weil sie so unaufgeregt, aber trotzdem tief unter die Haut gehen – „Die Assistentin“ von Caroline Wahl ist so ein Fall. Charlotte hat ihre großen musikalischen Träume längst begraben und macht sich bereit für den „vernünftigen“ Weg: einen Bürojob in einem Münchner Verlag, bei dem sie schon bald merkt, dass Machtspiele und intriganter Alltag ganz schön zermürbend sein können.
Was diese Geschichte so spannend macht, sind nicht die großen Drama-Explosionen, sondern das leise Ringen um Selbstbestimmung und Würde in einer Welt, die oft kein Erbarmen zeigt. Charlotte ist keine Heldin im klassischen Sinn, sondern eine junge Frau, die Fehler macht, leidet, liebt und trotzdem nicht aufgibt. Caroline Wahls lakonischer, manchmal fast schon trocken-humorvoller Erzählstil trifft hier genau den richtigen Ton: ehrlich, ohne Kitsch, und mit einem Schuss bitterer Ironie, der das Zuhören mehr als angenehm macht.
Das Hörbuch lebt von dieser Mischung aus Tiefgang und Alltagsszenen, die man nur zu gut kennt – wer schon mal in einem Job war, der eher zur Qual als zum Glück wurde, wird in Charlotte irgendwie sich selbst wiederfinden. Klar, an manchen Stellen hätte ich mir noch mehr Wucht gewünscht, mehr Biss vielleicht, denn einige Passagen schienen fast zu sehr im Hintergrund zu bleiben. Trotzdem: Gerade dieses Zurückgenommenheit macht das Ganze umso glaubwürdiger.
Für alle, die Geschichten mögen, die auf große Gesten verzichten und trotzdem nicht gleichgültig lassen, ist „Die Assistentin“ genau richtig. Ein realistisches, berührendes Portrait einer jungen Frau, die trotz Widerständen ihren Weg sucht – ohne Heldenpose, aber mit viel Herz.
Ich gebe 4 von 5 Sternen. Ein Hinhörer, der lange nachklingt und zeigt, dass der tägliche Kampf manchmal der mit der größten Relevanz ist.