Die Straße der Knochen
Kritik
Manchmal reicht ein einziger Schlagregen, um Verdrängtes wieder ans Tageslicht zu bringen – genau so beginnt Val McDermids „Die Straße der Knochen“ und zieht dich sofort mitten hinein in einen frostigen Cold Case, der vermischt ist mit politischen Intrigen und persönlichen Abgründen.
Die Story startet mit einem eher ungewöhnlichen Fund: Ein Stück Autobahn hat der sintflutartige Regen einfach weggerissen und dabei ein Skelett freigelegt. Dass es sich dabei um den seit über zehn Jahren verschwundenen Enthüllungsjournalisten Sam Nimmo handelt, setzt den Ermittlungen von DCI Karen Pirie erst so richtig Feuer unter dem Dach. Nimmo war nicht nur tief in brisante politische Recherchen zum schottischen Unabhängigkeitsreferendum verstrickt – er war auch Hauptverdächtiger in einem brutalen Mordfall. Genau diese Verbindung macht die Handlung spannend und komplex, denn McDermid versteht es, nicht nur einen packenden Thriller zu erzählen, sondern die Figuren glaubwürdig und vielschichtig zu zeichnen.
Karen Pirie als Protagonistin ist ein echter Gewinn. Sie wirkt nahbar, clever und gleichzeitig sehr durchsetzungsstark, was den Erzählton angenehm frisch und lebendig macht. Ihr Team ergänzt diesen Eindruck perfekt, und die Dialoge sind oft kurz, scharf und bringen eine gute Portion britischen Humor mit. Der Schreibstil ist präzise, flott und niemals überladen – hier wird nicht unnötig herumgeschwafelt, sondern straight auf den Punkt ermittelt.
Was mir besonders gefallen hat, ist die gelungene Verknüpfung von persönlicher Tragödie und politischem Hintergrund. Das macht den Fall nicht nur spannend, sondern auch ein Stück weit relevant. Allerdings muss ich zugeben, dass die Vielzahl der Figuren und kleinen Nebenhandlungen an manchen Stellen etwas überwältigend sein kann und gelegentlich das Tempo etwas abflaut. Wer aber Spaß an gut durchdachten Plot-Twists und atmosphärischen Schauplätzen hat, wird hier bestens bedient.
Kurz gesagt: „Die Straße der Knochen“ ist der perfekte Krimi für alle, die es gerne smart, etwas düster und mit politischen Mysterien mögen – ohne langes Drumherumgeschwafel. Absolute Leseempfehlung, wenn du Lust auf einen schottischen Thriller mit Tiefgang hast.
Bewertung: 4 von 5 Sternen.