Guten Morgen, schönes Wetter heute
Kritik
Manchmal sind es die kleinen, unscheinbaren Geschichten, die einen mitten ins Herz treffen – und genau so fühlt sich „Guten Morgen, schönes Wetter heute“ von Tanja Kokoska an. Ina, Tattoo-Künstlerin und alleinerziehende Mama, lebt in einer Siedlung, in der Nähe seltsame, liebenswerte Nachbarn hausen: Ein Baggerfahrer mit einer schicksalhaften Entdeckung, ein Mann mit ungewöhnlichen Tanzgewohnheiten, ein Träumer, der einfach mal eine Ente streicheln möchte, und eine poetische Seele, die ihre Worte in Pralinenschachteln versteckt. All diese Figuren teilen die tiefe Sehnsucht nach Nähe und einem kleinen Stück vom Glück – eine Sehnsucht, die Kokoska mit viel Feingefühl und einer Prise Humor einfängt.
Die Story ist leichtfüßig und doch emotional genug, um dranzubleiben. Ohne großen Kitsch beschreibt die Autorin, wie aus einer unerwarteten Situation unerwartete Begegnungen werden – da spürt man fast den Nachbarschaftszauber in der Luft. Ina selbst ist eine unfassbar sympathische Figur, die mit ihren Zweifeln und Hoffnungen sehr echt wirkt. Der Schreibstil ist locker, modern und warmherzig, dabei aber niemals aufgesetzt. Kokoska schafft es, die kleinen Alltagsmomente so zu erzählen, dass man sich sofort mittendrin fühlt.
Klar, man könnte sich stellenweise noch mehr Tempo wünschen; die Geschichte nimmt sich oft Zeit und wartet ganz geduldig auf ihr süßes Happy-End. Für Leser:innen, die es gerne etwas flotter mögen, könnte das ein kleiner Stolperstein sein. Auch mancher Nebencharakter bleibt etwas dünn skizziert, hier wäre mehr Tiefe wünschenswert gewesen.
Alles in allem ist „Guten Morgen, schönes Wetter heute“ ein charmantes Buch für alle, die Lust auf ein warmherziges Wohlfühl-Porträt vom Leben in der Stadt haben – mit einer Prise Überraschung und Hoffnung. Wer nach einer Geschichte sucht, die mehr auf Herz als auf Action setzt, ist hier genau richtig.
4 von 5 Sternen.