Totholz - Was vergraben ist, ist nicht vergessen - Ein Wallner & Kreuthner Krimi, Band 11 (Ungekürzte Lesung)
Kritik
Wer bei einem Bayern-Krimi gleich an griesgrämige Polizisten und steife Ermittlungen denkt, wird bei „Totholz“ von Andreas Föhr angenehm überrascht. Dieser elfte Fall für Wallner & Kreuthner bringt alles mit, was Spaß macht: eine mysteriöse Leiche im Wald, eine verschwundene Zeugin, schräge Nachbarn und sogar eine alte Kanone – ja, richtig gehört, eine Kanone! Und bevor ihr euch fragt, was eine antike Waffe in einem modernen Krimi verloren hat: Sie passt wunderbar in das launige Gesamtbild, das Föhr hier mit einer ordentlichen Prise Humor und viel Bayern-Charme zeichnet.
Im Mittelpunkt stehen natürlich die beiden Kult-Ermittler, deren Chemie einfach stimmt. Kreuthner ist wie immer der etwas impulsive Typ mit großer Klappe und kleinem Hang zum Chaos, während Wallner als ruhiger Gegenpart die Fäden zusammenhält. Neu an Bord ist Chefin Karla Tiedemann, die frischen Wind in die Ermittlungen bringt und das Trio perfekt ergänzt. Besonders gelungen: die Dialoge, die nie aufgesetzt wirken, sondern locker-flockig das Geschehen vorantreiben. Föhrs Schreibstil fühlt sich an wie ein Plausch mit guten Freunden – unterhaltsam, unverkrampft und dabei so scharf wie die spitzen Bemerkungen der Charaktere.
Was mir besonders gefallen hat, ist die Mischung aus Spannung und Humor, die nicht etwa auf Kosten der Geschichte geht. Die Fälle sind clever konstruiert und setzen auf Atmosphäre sowie authentische Figuren, statt auf unnötige Brutalität. Trotzdem wird es nie langweilig, gerade auch weil die bayerischen Eigenheiten mit einem Augenzwinkern präsentiert werden – das sorgt für diesen ganz besonderen Charme.
Klar, wer auf klassische Thriller mit Hochspannung und Tempo steht, könnte das Tempo hier als eher gemütlich empfinden. Manchmal zieht sich die Handlung ein bisschen – aber gerade das macht den Reiz für Fans regionaler Krimis mit Herz und Hirn aus. Und na ja, ein bisschen geduldig sollte man bei elf Bänden natürlich auch sein, um die Figuren voll aufzunehmen.
Am Ende überzeugt „Totholz“ mit seinem bayrischen Charme, klugen Wendungen und sympathischen Helden. Ein Krimi zum Wohlfühlen, der auch mal lachen lässt und trotzdem richtig rätseln lässt.
5 von 5 Sternen – für alle, die Lust auf intelligente Unterhaltung mit einer ordentlichen Portion lakonischem Humor und tief verwurzeltem Regionalflair haben. Wer Wallner & Kreuthner mag, sollte hier definitiv reinhören!