Hope Joanna (Ungekürzte Autorenlesung)
Kritik
Manchmal stolpert man über eine Geschichte, die genauso schräg, spannend und überraschend ist wie das Leben selbst – Hope Joanna ist so ein Fall. Horst Evers nimmt uns mit in die vielschichtige Welt einer jungen Frau, die vom olympischen Taekwondo-Traum zur Berliner Polizeiarbeit wechselt und plötzlich in einen Strudel aus Gewalt, rechten Verschwörungen und einer abenteuerlichen Suche nach einem mysteriösen Artefakt gerät. Klingt nach einer wilden Mischung? Ist es auch – und genau das macht richtig Laune beim Zuhören.
Hope Joanna Marlow ist keine klassische Heldin, sondern eine Frau, die mit sehr realen Dilemmata ringt: zwischen Ost und West, zwischen Vergangenheit und Gegenwart, zwischen persönlichem Glück und öffentlichem Druck. Ihre Figur wirkt authentisch, tough, mit dem nötigen Ecken und Kanten, die man einer echten Polizistin eben zutraut. Der Sound von Evers‘ Erzählstimme verleiht dem Ganzen zusätzlich eine lockere, aber niemals flache Atmosphäre. Sein Erzählstil ist humorvoll, spitzfindig und immer mit einem Augenzwinkern, was der ernsten Thematik eine charmante Leichtigkeit verpasst.
Besonders gut gefiel mir, wie die Story nicht nur auf Thriller-Elemente setzt, sondern auch ein Bild von Berlin zeichnet, das deutlich mehr ist als Klischee. Das Zusammenspiel aus aktueller Gesellschaftskritik und einer guten Portion Skurrilität macht das Hörbuch zu einem echten Erlebnis. Allerdings hat die Erzählung hin und wieder kleine Längen, an denen man merkt, dass die ungekürzte Version sie auch definitiv mitbringt – ein bisschen mehr Straffung hätte dem Tempo gutgetan.
Wer also Lust auf einen ungewöhnlichen Mix aus Spannung, Politik und einem ordentlichen Schuss Berliner Mentalität hat, sollte hier unbedingt reinhören. Kurz gesagt: Die ungekürzte Autorenlesung von Hope Joanna ist eine sympathische Überraschung, die mit Herz und Hirn erzählt wird – perfekt für alle, die keinen Bock auf schnöden Durchschnittreigen haben.
4 von 5 Sternen – für einen wendungsreichen, lebendigen Thriller mit Ecken, Kanten und einer ordentlichen Portion Berliner Schnauze.