Tage am Fluss (Ungekürzte Lesung)
Kritik
Manchmal entdeckt man Geschichten, die einen einfach sofort packen – so ging es mir mit „Tage am Fluss“. Dieses Hörbuch fühlt sich an wie ein Sonne-durchfluteter Sommertag, an dem man einfach innehalten will, um all die kleinen Nuancen des Lebens aufzusaugen. Es geht um Sara Harmsen, die in ihrem kleinen, von der Welt fast vergessenen Dorf eine Fähre betreibt und dort ein Leben zwischen Natur, Tieren und ganz eigenen Sorgen führt. Als Leon, ein junger Mann mit einer frischen Wunde, bei ihr auftaucht, beginnt nicht nur Saras Alltag durcheinanderzuwirbeln, sondern auch ihr Herz.
Die beiden Figuren sind keineswegs Klischees – im Gegenteil: Sara zeigt sich als starke, aber verletzliche Frau, die ihre Schutzmauern langsam Stück für Stück fallen lässt. Leon, mit seiner geheimnisvollen Aura und dem Drang nach Neuanfang, passt da perfekt ins Bild. Was mir besonders gefallen hat, ist der ganz beiläufige, aber lebendige Stil Jochen Mariss’, der das Landleben mit all seinen charmanten Facetten auf eine sehr ehrliche und unaufgeregte Weise beschreibt. Man spürt förmlich das Summen der Insekten und die Nähe zum Fluss, während man zuhört.
Die ungekürzte Lesung von Heike Warmuth und Nils Kretschmer ist das i-Tüpfelchen, ihre Stimmen unterstreichen die Stimmung und machen die Charaktere noch greifbarer. Ein kleiner Kritikpunkt: Die gemächliche Erzählweise braucht definitiv etwas Geduld, wer es gern schneller mag oder mehr Action erwartet, könnte hier ins Stocken geraten. Auch das politische Engagement gegen die geplante Brücke wird zwar nachvollziehbar, aber etwas zu behutsam behandelt – mir hätte ein bisschen mehr Biss gut gefallen.
Am Ende fühlt es sich an, als hätte man einen kleinen, besonderen Ort im Herzen entdeckt. Wer Lust auf eine sanfte, naturverbundene Geschichte hat, in der das Zwischenmenschliche im Vordergrund steht und das Leben mit all seinen „Wunden“ gezeigt wird, sollte hier unbedingt reinschnuppern.
4 von 5 Sternen – ein wertvolles Hörbuch für alle, die sich Zeit nehmen wollen, um wirklich hinzuhören und zu fühlen.
Klappentext
An einem heißen Sommertag strandet ein junger Mann bei der Fährfrau Sara Harmsen und bringt all ihre sorgsam errichteten Mauern ins Wanken. Ein Hörbuch über alte Wunden und den Mut, sich wieder auf das Leben einzulassen.
Sara Harmsen betreibt eine kleine Fähre, die das Dorf Erlengrund mit dem Rest der Welt verbindet. Mit sieben Hühnern, drei Schafen und der Hündin Luna lebt sie in einem abgelegenen Haus am Fluss. Eines Tages taucht auf Saras Fähre ein junger Mann mit einer Kopfverletzung auf, Leon. Sara verarztet den jungen Mann und versteckt ihn bei sich. Dafür verlangt sie, dass er ihr bei den Arbeiten rund um ihr Haus hilft. Beim Scheren der Schafe, bei der Reparatur des Hühnerstalls und beim Sensen der Obstwiese kommen sich Sara und Leon zögerlich näher und bringen den Mut auf, sich ihren alten Wunden zu stellen. Und sie teilen ihre Liebe zur Natur und die Sorge um unseren Planeten. Als die beiden sich gegen eine geplante Brücke wenden, die Saras Fähre bedroht, sehen sie sich Anfeindungen und Übergriffen aus dem Dorf ausgesetzt. Und dann tritt auch noch der Fluss über die Ufer ...
Heike Warmuth und Nils Kretschmer leihen Sara und Leon ihre Stimmen und begleiten uns durch Jochen Mariss' atmosphärisches Romandebüt.
Zu diesem Hörbuch gibt es Zusatzmaterial. Eine Anleitung zum Download finden Sie im FAQ des Shops und der argon-Webseite.