Bretonisches Leuchten - Kommissar Dupin ermittelt, Band 6 (Ungekürzte Lesung)
Kritik
„Bretonisches Leuchten“ fühlt sich an wie ein lauer Sommerabend an der Küste – idyllisch, leicht und gleichzeitig voller unterschwelliger Spannung. Kommissar Dupin wird für zwei Wochen in die Ferien geschickt, aber wie soll man bei dem süßen Nichtstun entspannen, wenn direkt vor der Nase ein Verbrechen passiert? Genau da beginnt der Spaß: Ein mysteriöses Verschwinden, eine bedrohte Politikerin und ein düsterer Fund bringen frischen Wind in den ansonsten so friedlichen Ort Trégastel.
Jean-Luc Bannalec verwebt das Bild der rauen, wunderschönen Bretagne mit einem Krimi, der sich Zeit nimmt, seine Atmosphäre aufzubauen. Dupin ist dabei nicht nur Ermittler, sondern auch ein sympathischer, manchmal grantiger Typ, der mit seiner eigenen Art und den Dorfbewohnern zu einer lebendigen Gemeinschaft wird. Besonders gefallen hat mir das Zusammenspiel von Landschaftsbeschreibungen und der allmählich anziehenden Spannung – man riecht förmlich das Meer, fühlt den sandigen Wind und sieht die bizarren Felsen vor sich.
Der Schreibstil ist klar und flüssig, mit einer Prise Humor und einigen hübschen kleinen Überraschungen, die das Lesen angenehm unterhaltsam machen. Einzig die eine oder andere langatmige Szene hätte für meinen Geschmack etwas knackiger ausfallen dürfen – manchmal zieht sich das Ganze wie eine Decke am Strand, die längst nicht mehr frisch ist. Doch das schmälert den Genuss kaum.
Wer gerne Urlaubslektüre mit kriminalistischem Tiefgang und einer Umgebung zum Träumen sucht, wird mit „Bretonisches Leuchten“ bestens bedient. Wer schnelle Action möchte, sollte vielleicht lieber anderswo schauen. Alles in allem ein herrlich entspannter Krimi, der Lust macht auf mehr Bretagne und natürlich auf Kommissar Dupin.
4 von 5 Sternen – ein charmantes Wellenspiel aus Sommeridylle und Spannung.