Die Psychiaterin – Wurde der Job ihr zum Verhängnis?
Kritik
Schon beim ersten Eintauchen in „Die Psychiaterin – Wurde der Job ihr zum Verhängnis?“ schnürt sich einem der Hals zusammen und die Neugier lässt einen nicht mehr los. Freida McFadden schafft es, mit wenigen Worten eine Atmosphäre zu erschaffen, die gleichzeitig beklemmend und fesselnd ist. Man ist sofort mittendrin, wenn Tricia und Ethan ihr vermeintliches Traumhaus beziehen – ein Ort, an dem weit mehr schlummert als nur alte Erinnerungen.
Worum geht’s? Tricia findet in den Tiefen des Hauses Videokassetten, auf denen die Sitzungen der früheren Besitzerin, einer Psychiaterin, aufgezeichnet sind. Diese werden zum Schlüssel eines rätselhaften Verschwindens. Stück für Stück wird klar, dass das Haus viele Geheimnisse verbirgt, die sich womöglich bis in die Gegenwart ziehen. Der Spannungsbogen hält konstant an, und man fiebert regelrecht mit Tricia mit, die sich langsam in einem Geflecht aus Verdacht und Manipulation verheddert.
Die Figuren sind glaubwürdig gezeichnet, besonders Tricia erhält durch ihre wachsende Unsicherheit und den Kampf gegen die unheimlichen Entdeckungen eine starke Emotionalität. McFaddens Schreibstil ist klar, schnörkellos und dabei so atmosphärisch, dass man das Knistern des Sturms und die Kälte des Hauses fast spüren kann. Die Abwechslung zwischen Rückblicken durch die Kassetten und Tricias aktueller Situation sorgt für einen angenehmen Rhythmus, der nicht langweilig wird.
Kritisch muss ich anmerken, dass manche Wendungen doch vorhersehbar sind und ein paar Erklärungen etwas zu knapp bleiben – hier hätte das Buch ruhig noch ein bisschen tiefer graben dürfen. Auch die Figuren hätten an manchen Stellen noch das letzte Quäntchen Tiefe vertragen können, um die psychologischen Nuancen richtig auszuspielen.
Alles in allem ist „Die Psychiaterin“ genau das Richtige für Leser:innen, die auf der Suche nach einem Psychothriller sind, der keine langatmigen Beschreibungen braucht, sondern direkt aufs Nervenkostüm zielt. Perfekt für gemütliche Abende, wenn man sich von düsteren Geheimnissen packen lassen möchte.
Dafür gibt’s von mir solide 4 von 5 Sternen. Wer Spannung und psychologische Raffinesse mag, wird hier gut bedient.
Klappentext
Die frischvermählten Tricia und Ethan sind auf der Suche nach ihrem Traumhaus. Sie glauben, es gefunden zu haben in dem Anwesen, das einst Dr. Adrienne Hale gehörte, einer renommierten Psychiaterin, die vor drei Jahren spurlos verschwunden ist. Als ein heftiger Sturm aufkommt, können sie das Haus nicht mehr verlassen. Tricia stößt auf eine Sammlung von Videokassetten – Aufnahmen von Adriennes Patientensitzungen. Mit jeder Kassette, die sie sich ansieht, wird ihr klarer, wie es zu Adriennes Verschwinden kam. Ein Netz aus Lügen tut sich auf. Doch wenn Tricia bei der letzten Kassette ankommt, wird es bereits zu spät sein …
Gekürzte Lesung mit Nina Reithmeier, Rubina Nath, Konstantin Marsch, Claudia Gräf, Stefan Kaminsky
7h 4min