Verhängnisvolles Calès
Key Facts
Kritik
Schon beim ersten Eintauchen in „Verhängnisvolles Calès“ spürt man diese besondere Atmosphäre der Provence – kalt, klar und doch voller Geheimnisse, die sich wie Nebelschwaden um die zerschlissenen Höhlen von Calès legen. Capitaine Roger Blanc wird in einen Fall gezogen, der auf faszinierende Weise die Gegenwart mit einer düsteren Vergangenheit verknüpft. Ein Skelett mit einem Einschussloch im Stirnknochen, die mysteriöse Entführung eines Mädchens während einer Hochzeit – hier ist nichts so, wie es auf den ersten Blick scheint.
Roger Blanc ist ein Ermittler, dem man sofort vertraut. Seine Ruhe und sein Scharfsinn ergänzen sich wunderbar mit der rauen, teils melancholischen Landschaft, in der der Fall spielt. Der Schreibstil von Cay Rademacher ist angenehm unaufgeregt, aber keineswegs langweilig: Er lässt die Geschichte fließen, ohne dabei an Spannung einzubüßen. Besonders gefallen hat mir, wie geschickt er Geschichte und Gegenwart miteinander verwebt, ohne dabei zu dick aufzutragen. Man fühlt sich in den verschlungenen Gassen und Höhlen regelrecht zuhause – oder besser gesagt: mittendrin in einem Rätsel, das sich langsam entfaltet.
Einziger Wermutstropfen für mich war, dass der Anfang an manchen Stellen zu behäbig wirkt. Man wartet ein wenig zu lange darauf, dass die Ermittlungen richtig in Gang kommen. Trotzdem verliert man die Geduld nicht, denn die Figuren sind so sympathisch gezeichnet, dass man einfach wissen will, wie es weitergeht.
Kurz gesagt: Wer einen Krimi sucht, der mehr ist als nur ein weiteres Verbrechen zum Abhaken, und der Lust auf ein Stück Provence hat, das nicht nur Urlaubskulisse ist, sondern dunkle Geschichten erzählt, der wird hier bestens bedient. „Verhängnisvolles Calès“ punktet mit stimmungsvoller Lokalkolorit, vielschichtigen Charakteren und einer Story, die lange nachhallt.
4,5 von 5 Sternen – ein spannender Provence-Krimi, der Lust auf mehr macht.