Die Rosenzüchterin
Kritik
Manchmal ist es genau das richtige Buch, wenn man sich eine kleine Auszeit vom Alltag gönnen will – "Die Rosenzüchterin" ist so ein Fall. Man wird direkt in Francas zerrüttete Welt gezogen: Eine Ehe, die auf der Kippe steht, und die Sehnsucht, einfach mal Abstand zu gewinnen. Ihre Flucht auf die Kanalinsel Guernsey fühlt sich an wie eine sanfte Brise, die frischen Wind in die erzählerische Landschaft bringt.
Die Geschichte selbst zieht ihre Kreise um Franca, die auf dem geheimnisvollen Anwesen von Beatrice und der undurchsichtigen Helene landet. Die Verbindung zwischen den Figuren ist glaubhaft und schillernd zugleich – man spürt Francas Verunsicherung, aber auch ihr erwachendes Interesse an den verborgenen Geschichten der anderen. Charlotte Links Stil ist dabei angenehm flüssig, mit einer Prise Melancholie, die das Setting perfekt untermalt, ohne zu schwer zu werden. Die Spannung baut sich zwar eher behutsam auf, aber dafür stimmt die Atmosphäre und das Zwischenmenschliche – das hat mir besonders gut gefallen.
Klar, an manchen Stellen wünscht man sich, dass die Handlung etwas schneller Fahrt aufnimmt oder dass mehr Licht ins Dunkel der Familiendramatik kommt. Gerade gegen Ende hätte ich mir noch etwas mehr Pep gewünscht, aber das liegt vielleicht auch an den Erwartungen, die man an eine Charlotte Link hat. Die Lesung von Gabriele Blum trägt übrigens wunderbar zur Stimmung bei, ihre Stimme ist warm und einfühlsam, das macht den Hörgenuss noch mal schöner.
Fazit: "Die Rosenzüchterin" ist ein charmantes, wenn auch leicht gemächliches Drama über Verlust und Neubeginn, perfekt für alle, die ein tiefgründiges, aber nicht zu schweres Buch suchen. Wer auf spannende Thriller hofft, wird hier nicht ganz bedient, aber das Zwischenmenschliche kommt dafür wunderbar zur Geltung.
4 von 5 Sternen – ein stimmungsvolles Hörbuch, das auf der Insel einen bleibenden Eindruck hinterlässt.
Klappentext
Franca Palmer ist am Ende: In ihrer Ehe kriselt es und der Alltag überfordert sie. Sie flüchtet auf die Kanalinsel Guernsey, wo sie sich in einem alten Rosenzüchterhaus einmietet. Bald entwickelt sich zwischen ihr und der Gastgeberin Beatrice eine distanzierte Freundschaft. Die ältere Frau lebt auf dem Anwesen mit Helene Feldmann zusammen, der sie Hass und Abneigung entgegenbringt. Die Gründe dafür bleiben für Franca zunächst im Verborgenen. Und eines Tages, es ist der 1. Mai, gibt es eine Tote in Le Variouf ...
Gekürzte Lesung mit Gabriele Blum
ca. 18h 25min