Schrei im Morgengrauen
Kritik
Manchmal braucht es nur ein paar Seiten, um richtig mitzufiebern – „Schrei im Morgengrauen“ ist genau so ein Buch. Die Geschichte startet mitten in einem Albtraum: Kellys Sohn Eddie ist in der Wildnis verschwunden, und die Angst sitzt gleich ganz tief. Aber dann kommt der Haken: Nur Buzz, ihr Ex und Leiter des Rettungsteams, kann helfen. Und der mochte Kinder früher eher nicht, um es mal vorsichtig zu sagen. Ein explosiver Mix aus Verzweiflung, Misstrauen und Hoffnung, der sofort packt.
Linda Castillo zieht uns hier kein Gerangel à la Soap unter die Nase, sondern ein knallhartes Survival-Drama, bei dem man fast selbst den kalten Wind in den Bergen spürt. Die Charaktere sind kein bisschen flach – Kelly kämpft mit jeder Faser und Buzz ist trotz seiner ruppigen Art überraschend nahbar. Besonders schön: Castillo schafft es, Spannung und emotionale Tiefe so zu verweben, dass das Ganze niemals zu überladen wirkt. Man will die beiden einfach auf ihrer verzweifelten Suche nicht allein lassen.
Klar, ein paar Wendungen sind vorhersehbar und das Tempo schwankt manchmal, aber das stört kaum, weil die Grundstimmung so dicht ist. Ein bisschen mehr Überraschung hätte ich mir gewünscht, aber vielleicht will die Autorin auch eher aufs Gefühl setzen als auf wilde Thrillereffekte.
Wer Lust hat auf einen authentischen Mix aus Drama, Naturgewalt und einem komplizierten Beziehungsgeflecht, findet hier genau das Richtige. „Schrei im Morgengrauen“ ist nicht einfach nur ein spannender Roman – es fühlt sich an, als wäre man mittendrin im Kampf ums Überleben und um Vertrauen.
4 von 5 Sternen – ein Pageturner für alle, die Spannung mit Herz suchen.