Tod auf Föhr - Ein Nordseekrimi-Reihe, Band 1
Kritik
Kaum hatte ich die ersten Seiten von „Tod auf Föhr“ aufgeschlagen, war ich mitten drin im rauen Nordsee-Flair – und das macht sofort Lust auf mehr. Kari Lürsen kehrt zurück auf die Insel Föhr, um Abstand vom Großstadtleben zu gewinnen, und statt Ruhe erwartet sie ein dunkles Geheimnis: der rätselhafte Selbstmord ihrer alten Schulfreundin Wiebke. Dass der Abschiedsbrief nicht so recht passt, hat mich sofort gepackt. Wer hätte gedacht, dass so eine scheinbar idyllische Insel so viel verborgenen Drama-Stoff bereithält?
Kari als Protagonistin ist herrlich bodenständig, fast schon ein bisschen widersprüchlich, was sie unglaublich sympathisch macht. Man merkt, dass Cornelia Härtl sich Zeit genommen hat, um ihre Hauptfigur mit Leben zu füllen – keine lupenreine Ermittlerin, sondern eine Frau mit Fehlern, Ecken und Kanten. Die Nebencharaktere sind zwar nicht alle gleich tief gezeichnet, aber das Familien- und Inselleben auf Föhr bekommt durch sie eine richtig authentische Textur. Der Schreibstil ist dabei flüssig und unaufgeregt, lässt den Leser:innen aber genug Raum, sich in diese komplexe, nordische Atmosphäre fallen zu lassen.
Was mir besonders gefallen hat: Die unaufdringliche Spannung, die sich Stück für Stück aufbaut, und das Gefühl, wirklich mal „wegzuhören“ – oder besser gesagt, wie bei einem spannenden Insider-Tipp einer Freundin. Trotzdem hatte ich mir an ein paar Stellen einen stärkeren roten Faden gewünscht. Manchmal zogen sich gewisse Passagen etwas, was in einem Krimi natürlich nicht ideal ist, aber das macht Härtls Stil irgendwie auch sympathisch menschlich.
Wer also Lust auf einen Krimi mit ordentlich Inselsalz, persönlichem Flair und einer Prise Drama hat, dabei aber keine aufgesetzten Thriller-Knaller braucht, wird „Tod auf Föhr“ lieben. Für alle anderen, die’s schneller und härter mögen, ist es vielleicht nicht ganz das Richtige.
Insgesamt ein gelungener Auftakt, der definitiv neugierig auf die weiteren Bände macht.
** (4 von 5 Sternen)