Gnadenlose Engel
Kritik
Manchmal gibt es Bücher, die dich sofort packen und nicht mehr loslassen – „Gnadenlose Engel“ von Manfred Brüning gehört definitiv dazu. Schon der fulminante Einstieg auf einem Autobahnparkplatz bei Oldenburg zieht dich mitten in ein düsteres Szenario, das sofort Fragen aufwirft: Wer war der Mann, der tot überrollt wurde – und warum? Schnell zeigt sich, dass es hier nicht nur um einen einfachen Unfall, sondern um etwas viel Vertrackteres geht.
Der Kriminalfall entwickelt sich ziemlich spannend, ohne sich in unnötigen Details zu verlieren. Die Verbindung zwischen einem Fernfahrer, einem Apotheker, einem Bestatter und einem Speditionskaufmann wirkt auf den ersten Blick wie ein Rätsel, das man unbedingt lösen will. Dabei hat mich vor allem Kommissar Konnert beeindruckt: ein kantiger, bibelfester Charakter, der stoisch gegen die eigene Belastung kämpft und die Jagd nach dem Täter zu seiner persönlichen Mission macht. Seine Art verleiht der Geschichte eine besondere Tiefe und macht ihn zum gradlinigen Helden mit Ecken und Kanten.
Brünings Schreibstil ist angenehm schnörkellos, flott und direkt, wodurch sich das Tempo gut hält. Die Atmosphäre wirkt authentisch, die brutalen Seiten der Handlung werden nie verhehlt, erschrecken aber auch nicht durch unnötige Übertreibung. Toll fand ich, wie die psychische Belastung der Ermittler glaubwürdig mitschwingt – das verleiht dem Thriller einen realistischen Kern, der beim Lesen richtig unter die Haut geht.
Kritisch muss ich trotzdem anmerken, dass einige Wendungen etwas vorhersehbar blieben und der Fokus manchmal so stark auf Konnert liegt, dass andere Figuren nicht ganz so viel Raum bekommen wie erhofft. Ein bisschen mehr Abwechslung in den Perspektiven hätte der Story noch mehr Dynamik verliehen.
Wenn du Lust auf einen atmosphärischen, gut durchdachten Krimi hast, der mit einer soliden Portion Spannung und psychologischem Tiefgang punktet, dann ist „Gnadenlose Engel“ genau dein Ding. Für Fans von authentischen Ermittlern und nicht allzu verzwickten, aber trotzdem fesselnden Thrillern eine klare Leseempfehlung!
Ich vergebe 4 von 5 Sternen.