Bullenbrüder - Tote haben keine Freunde (Ungekürzte Lesung)
Kritik
Schon der Einstieg in „Bullenbrüder - Tote haben keine Freunde“ zieht dich sofort in den Berliner Straßenstrudel, in dem zwei Brüder ganz unterschiedliche Wege gehen – und trotzdem immer wieder zusammenfinden. Holger, der pflichtbewusste Kommissar, und Charlie, der chaotische Privatermittler mit losem Mundwerk, könnten kaum gegensätzlicher sein. Ihre Dynamik bringt nicht nur Spannung ins Geschehen, sondern auch eine richtig angenehme Portion Humor und Herz.
Die Handlung ist ein klassischer Thriller à la Großstadt: Ein Mord in dunklen Aufzugsschächten, ein Koffer voller Kokain und ein fieser Unterweltboss, der die Fäden zieht – das alles sorgt für viel Tempo und überraschende Wendungen. Was mir besonders gefallen hat, ist, wie die Autoren die Gegensätze ihrer Figuren ausspielen, ohne in Klischees zu verfallen. Holgers gewissenhafte Art knallt gewollt oder ungewollt mit Charlies Hallodri-Charme zusammen, und das macht die Geschichte lebendig und authentisch. Die ungekürzte Lesung unterstützt diesen Effekt perfekt durch abwechslungsreiche Stimmen und eine angenehme Erzählweise, die Lust macht weiterzuhören.
Der Schreibstil von Hans Rath und Edgar Rai ist locker, aber keineswegs oberflächlich – er trifft genau den Ton zwischen Spannung und einer Prise skurrilem Witz. Man hat richtig das Gefühl, die beiden Brüder sitzen einem gegenüber und erzählen ihre Geschichte. Einziger Wermutstropfen: Stellenweise hätte das Tempo noch etwas zulegen können, besonders in den Mittelpassagen legt die Story ein kleines Schläfchen ein. Das trübt den Lesegenuss aber kaum.
Für alle, die Lust auf einen Krimi mit Ecken, Kanten und sympathisch widersprüchlichen Charakteren haben, ist „Bullenbrüder - Tote haben keine Freunde“ eine richtig gute Wahl. Hier stimmt das Zusammenspiel aus Spannung, Humor und einer Prise Familiendrama – so macht Krimi-Laune Spaß.
4 von 5 Sternen – weil die Bullenbrüder echte Charakterköpfe sind, die Lust auf mehr machen.