Die Gabe der Lüge
Kritik
Kaum blättert man in „Die Gabe der Lüge“, zieht einen Val McDermid sofort in ihren Bann – dieser Mix aus tief vergrabenen Geheimnissen und einem Hauch literarischer Detective-Work macht neugierig und hält bis zur letzten Seite bei der Stange. Im Zentrum steht Karen Pirie, eine Ermittlerin, die man sofort ins Herz schließt: scharfsinnig, unerschrocken und mit einem Eigensinn, der das Lösen ihres bisher siebten Falls spannend begleitet.
Die Geschichte verknüpft einen Cold Case – das mysteriöse Verschwinden der Studentin Lara – mit einem unvollendeten Manuskript, das fast wie eine Spur in die Schatten der Vergangenheit wirkt. Man spürt förmlich, wie sich das Netz um Verrat und Geheimnisse langsam zusammenzieht. Besonders schön ist, wie McDermid es schafft, zwischen den Zeilen nicht nur Rätsel, sondern auch Emotionen und menschliche Brüche sichtbar zu machen. Der Schreibstil ist angenehm zugänglich, dabei aber keineswegs banal – eher schnörkellos und auf den Punkt, was das Lesen zum Vergnügen macht.
Klar, an manchen Stellen hat das Tempo ein bisschen Luft nach oben und das Geflecht aus Lügen und Wahrheiten kann stellenweise etwas verwirrend sein – aber das gehört fast schon zum Spiel des Genres und passt zur cleveren Denkweise von Karen. Wer eher Krimis mit viel Action sucht, könnte hier etwas zu langsam unterwegs sein, aber Freunde von spannendem, psychologisch durchdachtem Ermittlerstoff kommen definitiv auf ihre Kosten.
Fazit: „Die Gabe der Lüge“ ist ein echtes Juwel für alle, die auf smarte Krimis mit Herz und Hirn stehen – ein Fall, der neugierig macht und mit einer starken Heldin punktet, die man nicht so schnell vergisst. Für mich solide 4 von 5 Sternen und eine klare Empfehlung, wenn ihr Lust auf ein Buch habt, das schlau und fesselnd zugleich ist.