Wenn dir das hier gefiel …
Totenfang
Key Facts
Kritik
Kaum hat man „Totenfang“ aufgeschlagen, zieht einen Simon Beckett mit voller Wucht in die düstere, neblige Welt der Backwaters in Essex – und ja, diese Atmosphäre sorgt tatsächlich für Gänsehaut. Im Mittelpunkt steht David Hunter, der forensische Anthropologe, der sich diesmal einem besonders kniffligen Fall widmet: Eine stark verweste Leiche, die niemand so richtig zuordnen kann – oder vielleicht auch doch? Beckett serviert hier nicht nur einen spannenden Thriller, sondern einen genialen Mix aus Mystery und psychologischem Spiel, denn die Bewohner der abgelegenen Gegend sind ebenso undurchsichtig wie das schlammige Wasser, das mehr Geheimnisse birgt, als man erwarten würde.
David Hunter ist wieder mal das Herzstück der Story: intelligent, neugierig, mit einer Portion trockenem Humor, die den ernsten Fall mit einer angenehm lockeren Note versieht. Becketts Schreibstil liest sich gewohnt flüssig, klar strukturiert und lässt sich locker weglesen – ohne, dass dabei Spannung oder Tiefe verloren gehen. Besonders gelungen fand ich, wie er das Szenario in der widrigen Wasserlandschaft von Essex so lebendig schildert, dass man das kalte, feuchte Klima förmlich spürt.
Ein kleiner Wermutstropfen: Wer auf die feinste gerichtsmedizinische Detailverliebtheit gehofft hat, wird vielleicht ein bisschen weniger bekommen als in den vorherigen Bänden. Aber das stört kaum, weil die Story und der psychologische Thriller-Charakter das locker ausgleichen. Und ja, das Ende hat zwar nicht jeder erwartet, fühlt sich an manchen Stellen leicht... sagen wir mal „klamm“ an, aber genau das macht den Reiz für mich aus.
Wer auf spannende, atmosphärisch dichte Thriller mit einem sympathischen Protagonisten steht und eine gewisse Vorliebe für düstere Geheimnisse nicht scheut, sollte „Totenfang“ unbedingt eine Chance geben. Das Buch hält, was es verspricht, und sorgt für ein fesselndes Leseerlebnis mit ein paar Ecken und Kanten – genau so, wie man es von einem guten Thriller erwartet.
4,5 von 5 Sternen – ein starker Fall für alle Beckett- und Thriller-Fans, die gerne ein bisschen mehr als nur den typischen Mordfall wollen.
Klappentext
In den Backwaters, einem unwirtlichen Mündungsgebiet in Essex, wird zwischen Seetang und Schlamm eine stark verweste Männerleiche gefunden. Die Polizei geht davon aus, dass es sich um den seit über einem Monat verschwundenen Leo Villiers handelt. Er soll eine Affäre mit einer verheirateten Frau gehabt und schließlich sich selbst umgebracht haben. Doch David Hunter kommen Zweifel an der Identität des Toten, denn tags darauf treibt ein einzelner Fuß im Wasser, und der gehört definitiv zu einer anderen Leiche. Für die Zeit seiner Ermittlungen kommt Hunter in einem abgeschiedenen Bootshaus unter. Die Bewohner der Gegend begegnen ihm mit unverhohlener Feindseligkeit, jeder hier scheint etwas zu verbergen. Und noch ehe er das Rätsel um den unbekannten Toten lösen kann, fordert die unbarmherzige Wasserlandschaft erneut ihren Tribut …