Lovely Rita (Ungekürzt)
Kritik
Manchmal reicht ein Tresen, um die Welt in all ihren kleinen Dramen und großen Momenten aufs Tapet zu bringen. Genau so ein Ort ist das Haus Himmelreich, die letzte wirklich legendenhafte Kneipe im Ruhrgebiet – und Frank Goosen nimmt uns mit auf eine herzliche, leicht melancholische Reise in diese warmherzige Welt.
Im Mittelpunkt steht Rita Urbaniak, die imposante Wirtin, die die Kneipe seit den 70ern schmeißt und eigentlich ganz anderes im Sinn hatte. Doch das Leben machte einen anderen Plan, und plötzlich beherbergt sie ihre kleine Nichte – während ihre Schwester Chris im weiteren Glück der Welt hinterherjagt. Drumherum tummeln sich schräge und liebenswerte Figuren wie der Käpt’n, Faris oder die Wacholder-Anni, jede:r mit eigenem Lied auf den Lippen und Geschichten, die mal witzig, mal nachdenklich sind. Es ist eine Geschichte von Verlust, Hoffnung und Freundschaft, die immer wieder zum Tresen zurückkehrt – zum Herz der Gemeinschaft.
Goosens Erzählstil? Locker und zutiefst ehrlich, ohne an Tiefe einzubüßen. Die Finger am Puls des Ruhrgebiets spürt man in jeder Zeile, der Dialekt schimmert durch, und das macht die Figuren so glaubwürdig und nahbar. Besonders gefallen hat mir, wie der Autor die Balance hält zwischen Humor und Melancholie – nie wird es kitschig, aber das Herz bleibt warm. Man fühlt sich fast selbst wie ein Stammgast, der den Laden nicht mehr verlassen möchte.
Kritik? Manche Kapitel ziehen sich ein bisschen, die Erzählstruktur ist stellenweise etwas lose, was das Vorankommen erschwert, wenn man zwischendurch nur mal kurz reinhören will. Aber ehrlich: Das ist Meckern auf hohem Niveau.
Für alle, die Lust auf eine kleine Auszeit mit Charakterköpfen, Ruhrpott-Charme und einem starken Frauenbild haben, ist Lovely Rita die perfekte Wahl. Ideal für alle, die Geschichten lieben, die vom Leben erzählen – mal laut, mal leise, aber immer mit Herz.
Fazit: Ein warmherziger, authentischer Roman mit Ecken und Kanten, der einen bleibenden Eindruck hinterlässt.
Bewertung: 4 von 5 Sternen