Wenn dir das hier gefiel …
südpol.windstill
Key Facts
Kritik
Manchmal sind es die Bücher, die auf den ersten Blick unauffällig wirken, die einen kalt erwischen – leider trifft das bei „südpol.windstill“ nicht so recht zu. Armela Madreiter erzählt von Ida, einem zehnjährigen Mädchen, das mit der schweren Realität ihrer Mutter, die mit Alkohol- und psychischen Problemen kämpft, zurechtkommen muss. Ihre Tage sind eine Achterbahnfahrt zwischen Aufbruchsstimmung und Resignation, und ihr imaginärer Freund, der Polarforscher Robert Falcon Scott, bietet ihr einen sicheren Zufluchtsort in schwierigen Zeiten.
Die Figuren sind leicht zugänglich, besonders Ida besticht durch ihre kindliche Ehrlichkeit und den unerschütterlichen Erfindergeist, der ihr hilft, das Unfassbare zu begreifen und zu ertragen. Madreiters Sprache ist klar, präzise und gerade in ihrer Dramatik oft berührend; das Stück fordert zum Nachdenken auf, vermittelt Empathie und steckt voller leiser Hoffnung. Kein leichter Stoff, aber wichtig – das steht außer Frage.
Dennoch hat mich das Stück an manchen Stellen etwas ratlos zurückgelassen. Die Inszenierung als Theatertext macht das Lesen auf Dauer ein bisschen spröde, fast so, als würde man einem Drehbuch folgen, ohne die schauspielerische Umsetzung vor Augen. Für mich wirkte es gelegentlich zu fragmentiert und hektisch, sodass die emotionale Tiefe der Geschichte nicht immer vollständig durchdringt. Erwartet man zudem eine ausführliche Handlung oder viel „Rundherum“, wird man hier eher enttäuscht sein. Und ja, zu kurz ist es auch.
Kurz: „südpol.windstill“ ist kein Buch, das man mal eben zum Freizeitvergnügen herauskramt – es ist eher etwas für jene, die sich mit schwierigen Themen auseinandersetzen wollen, für Pädagog:innen oder Theaterinteressierte. Wer leichte Kost sucht, ist hier fehl am Platz. Trotzdem ein Stück, das man nicht einfach so weglegt, sondern das lange nachhallt.
1 von 5 Sternen – ein wichtiger, aber sperriger Text, der nicht für jeden ist.
Klappentext
Wenn die 10-jährige Ida nach Hause kommt, weiß sie nicht, was sie erwartet: Ihre Mutter ist Alkoholikerin und psychisch krank. An Südpol-Tagen ist sie aufgekratzt und unternehmungslustig; an Nordpol-Tagen depressiv und antriebslos. Doch mit Robert Falcon Scott hat Ida glücklicherweise einen imaginären Freund, der sich bestens mit Polarforschung auskennt. Mit Erfindergeist, Empathie und Intelligenz lernt Ida, ihre schwierige Situation zu meistern.
Das 2022 mit dem Mira-Lobe-Stipendium des Bundeskanzleramts ausgezeichnete Stück wurde 2023 uraufgeführt und mit dem KinderStückePreis 2024 der Mülheimer Theatertage geehrt. Die Erstveröffentlichung erfolgt im Reclam Verlag.
Mit Nachwort und Unterrichtsanregungen von Björn Hayer.
»Armela Madreiters präziser und kraftvoller Theatertext ist durchdrungen von dem zutiefst menschlichen Bedürfnis, die Welt verstehbar und damit veränderbar zu machen. Humorvoll und sensibel zeigt sich darin, wie Erfindergeist und Empathievermögen dem Schrecken einer Suchterkrankung entgegentreten.«
Dora Schneider, Mitglied des Auswahlgremiums des KinderStückePreis
südpol.windstill wird von der Deutschen Akademie für Kinder- und Jugendliteratur als Kinderbuch des Monats Mai 2025 empfohlen!