Die Templer. Rose und Kreuz
Kritik
Kaum hatte ich „Die Templer. Rose und Kreuz“ aufgeschlagen, hat mich die düstere, von Unruhe durchzogene Welt des späten 13. Jahrhunderts sofort gepackt. Frankreich 1293 – ein Land am Rande des Chaos, in dem selbst die mächtigen Templer um ihr Überleben kämpfen. Genau in diesem brodelnden Umfeld startet die Geschichte: Der junge Knappe Constantin wird auf eine scheinbar aussichtslose Mission geschickt, um einen legendären Stein mit heilenden Kräften zu finden. Klingt erstmal klassisch, aber die Mischung aus Abenteuer, Intrigen und einer Prise Mystik macht daraus einen echten Page-Turner.
Was mir besonders lebendig im Kopf geblieben ist: das Duo Constantin und Mélisande. Der Junge will sich als Ritter beweisen, die junge Frau bricht aus einer erzwungenen Ehe aus – ihre Temperamente prallen oftmals aufeinander und bringen so viel frischen Wind in die Mittelalter-Story. Man spürt förmlich, wie sich da langsam eine ungewöhnliche Partnerschaft, fast schon Freundschaft, entwickelt. Und wenn dann noch der geheimnisvolle Templer Gérard auftaucht, wird’s richtig spannend: Der Roman zieht einen immer tiefer in eine verhängnisvolle Verstrickung, die den Orden bedroht. Kein blasses Mittelalter-Klischee, sondern lebendige Charaktere, die man gerne begleitet.
Daniel Wolfs Schreibstil ist angenehm bodenständig und doch atmosphärisch dicht – ohne kitschige Ausschmückungen, aber mit so viel Detail, dass das Kopfkino läuft. Die Beschreibungen sind nie langatmig, sondern stets passend zur Spannung der Handlung. Die historischen Hintergründe werden gut eingewoben, was den Lesegenuss noch steigert, ohne belehrend zu wirken.
Kritisch anmerken würde ich, dass manches Tempo zwischendurch etwas schwankt und sich die Geschichte phasenweise ein bisschen zieht. Auch die Anzahl der handelnden Figuren kann manchmal überwältigend wirken, was gerade bei Nebenplots etwas den Fokus rausnimmt. Aber hey, das schmälert den Gesamteindruck nicht wesentlich.
Wer also Lust hat auf ein Mittelalter-Abenteuer mit starken Charakteren, einer Prise Mystery und einem Hauch Politik, ist hier genau richtig. „Die Templer. Rose und Kreuz“ ist kein Schnellschuss, sondern lädt zum Eintauchen und Verweilen ein – perfekt für lange Lesenächte und Mittelalter-Fans, die mehr wollen als nur Schwerter und Ritter.
4 von 5 Sternen – Ein echtes Lese-Abenteuer, bei dem man gnadenlos mitfiebert, auch wenn es hier und da mal eine kleine Verschnaufpause braucht. Wer bloß leichte Kost sucht, könnte zögern; aber wer sich auf die vielschichtige Welt der Templer einlässt, wird belohnt.
Klappentext
Frankreich 1293. Das ganze Land wird von Unruhen erschüttert, selbst der einflussreiche Templerorden muss ums Überleben kämpfen. In diesen gefährlichen Zeiten begibt sich der Knappe Constantin auf eine fast aussichtslose Mission: Für seinen Herrn soll er einen sagenumwobenen Stein finden, dem heilende Kräfte nachgesagt werden. Constantin hofft, sich durch die abenteuerliche Reise als angehender Ritter zu beweisen. Dabei wird er von der temperamentvollen Mélisande begleitet, die sich ihm angeschlossen hat, um einer erzwungenen Ehe zu entfliehen. Constantin ist noch nie einer so eigensinnigen jungen Frau begegnet, gleichzeitig fasziniert ihn ihr Mut. Doch Mut allein wird sie nicht retten, als die beiden dem Templer Gérard begegnen und in einen tödlichen Rachefeldzug verstrickt werden, der den geheimnisvollen Orden bedroht ...
Ungekürzte Lesung mit Johannes Steck
23h 10min