Vor aller Augen - Thriller Hörbuch
Kritik
Schon die ersten Minuten von „Vor aller Augen“ ziehen dich mitten hinein in ein düsteres Paris, das so nah und beklemmend wirkt, dass man fast den Atem anhält. Laura, die mutige Schwester, die aus Kanada kommt, um ihre Familie zu unterstützen, bekommt in der Pariser Métro den Albtraum schlechthin zu spüren: das plötzliche Verschwinden ihrer Schwester, mitten unter Menschen – und alle sehen weg. Diese Geschichte stellt nicht nur deinen Puls auf Hochtouren, sondern regt auch zum Nachdenken an.
Die Handlung ist klar und temporeich gestrickt: Ein verzweifelter Wettlauf gegen die Zeit, eine Polizei, die schweigt, und ein Ermittler, der sich mit seiner eigenen Tragödie auseinandersetzen muss. Lucas Lievens bringt eine tolle Intensität mit, sein Kampf gegen die inneren Dämonen macht ihn zu einer komplexen Figur, die man nicht so schnell vergisst. Laura wächst einem mit ihrer Entschlossenheit richtig ans Herz, und man fiebert mit, auch wenn man sich manchmal fragt, wie sie das bloß alles schaffen soll.
Der Schreibstil von Alex Sol ist schnörkellos und packend – perfekt für ein Hörbuch, das man kaum pausieren will. Die Atmosphäre in der Pariser Métro ist so lebendig beschrieben, dass man fast unterwegs ist. Einziger kleiner Wermutstropfen: Manche Szenen ziehen sich an manchen Stellen leicht ins Längliche, besonders gegen Ende hätte ich mir den ein oder anderen Strich gewünscht, damit das Tempo noch knackiger bleibt.
Wer Spannung sucht, die nicht nur unterhält, sondern auch ein ernstes Thema auspackt, ist hier genau richtig. „Vor aller Augen“ ist kein seichter Krimi, sondern ein Thriller, der auch mal in die dunklen Ecken des Menschlichen blickt – und gerade deshalb so fesselnd bleibt.
4 von 5 Sternen – ein mitreißender Thriller, der zum Hinschauen mahnt und den man so schnell nicht vergisst.