Ostseedämmerung - Pia Korittkis zwanzigster Fall - Kommissarin Pia Korittki, Teil 20 (Ungekürzt)
Kritik
Schon beim Eintauchen in „Ostseedämmerung“ fühlt man sich sofort mitten drin im rauen, norddeutschen Küstenflair – mit all seinen Geheimnissen, die lange unter der Oberfläche brodeln. Diesmal heißt es für Kommissarin Pia Korittki nicht nur, einen fast vergessenen Fall neu aufzurrollen, sondern auch, sich durch ein eng verknüpftes Netz aus Dorfgemeinschaft, Archäologen und persönlichen Schicksalen zu kämpfen.
Der Fund eines wikingerzeitlichen Schmuckstücks am Dorfteich ist der Auslöser für eine komplexe Mordermittlung, die bald mehr Fragen als Antworten bringt. Die verschwundene Archäologiestudentin, die später tot im Wald gefunden wird, zieht eine Spur tief in die Vergangenheit und mitten hinein in aktuelle Spannungen. Pia und ihr Team müssen nicht nur kriminalistische Spürnase beweisen, sondern auch aufpassen, wem sie wirklich trauen können – besonders, als Pias Kollege Broders plötzlich verschwindet. Spannend, dicht und mit angenehm bodenständigen Figuren, die nicht nur als Ermittler, sondern auch als Menschen überzeugen.
Eva Almstädt gelingt es erneut, die richtige Mischung aus Lokalkolorit, historischen Elementen und einem gut konstruierten Plot zu liefern. Ihr Stil ist schnörkellos, mit einem Hauch norddeutschem Understatement, der gerade dem Krimi wirklich gut tut. Pia Korittki ist eine sympathische Ermittlerin, deren Menschlichkeit durch kleine Zweifel und private Momente besonders greifbar wird – das macht sie nahbar und glaubwürdig. Auch die Nebenfiguren sind wunderbar facettenreich erzählt, was dem Buch zusätzliche Tiefe gibt.
Kleine Schwäche? Teil 20 fühlt sich stellenweise ein wenig vertraut an – eingefleischte Korittki-Fans können bereits erahnen, wie sich gewisse Dynamiken entwickeln. Für Neueinsteiger könnte das eine leichte Einstiegshürde sein, aber der Klaustrophobie-Effekt wird mit der Zeit super aufgefangen. Außerdem fließen einige Hintergrundinfos so ein, dass man bestens mitkommt, auch ohne jeden Vorgänger zu kennen.
Alles in allem überzeugt „Ostseedämmerung“ mit spannender Stimmung, einem cleveren Mystery-Mix und einer Kommissarin, die man gerne auf ihren Fällen begleitet. Wer Lust auf einen soliden Küstenkrimi mit Wohlfühlcharakter und authentischer Ermittler-Crew hat, liegt hier goldrichtig.
4 von 5 Sternen – ein starkes Krimi-Highlight für Fans norddeutscher Ermittlungen und spannende Cold Cases.