Wenn dir das hier gefiel …
Nebel, Neid und Nachtgesang: Ostfrieslandkrimi
Key Facts
Kritik
Man sitzt beim Lesen förmlich mitten im dichten Ostfrieslandnebel, der nicht nur die Landschaft, sondern auch die Stimmung dieses Krimis durchzieht. „Nebel, Neid und Nachtgesang“ nimmt dich mit auf eine spannende Reise, in der uralte Moorlegenden auf moderne Technik treffen – und das auf eine Weise, die überrascht und fesselt. Hauptkommissar Thaddäus Adden ist ein bodenständiger Typ, der mit den harten Fakten arbeitet und sich wenig von Geistergeschichten beeindrucken lässt. Genau das sorgt für einen reizvollen Konflikt mit den Einheimischen, die wie gebannt an den berühmten „Nachtgesang“ und seine düsteren Mächte glauben. Dazu kommt mit Dr. Jette Vandermeer eine brillante Profilerin, die locker mit den technischen Raffinessen der heutigen Zeit jongliert und damit dem Fall eine spannende, moderne Dimension verleiht.
Jörns Slieters Schreibstil ist angenehm klar und schnörkellos, trotzdem schafft er es, eine dichte Atmosphäre aufzubauen, die einen fast schon frösteln lässt – nicht nur wegen der kalten Nachtluft am Moor, sondern vor allem wegen der unterschwelligen Spannung. Mir hat besonders gefallen, wie gekonnt der Autor den Aberglauben der Einheimischen mit rationalen Erklärungen mischt, ohne das Mystische völlig platt zu machen. Das gibt dem Krimi einen ganz eigenen Charme und macht Lust, weiterzulesen. Allerdings fand ich den Plot an einigen Stellen etwas vorhersehbar, vor allem wenn es um die digitale Komponente ging – manchmal hätte der Täter ruhig noch ein paar mehr Überraschungen aus dem Ärmel schütteln können.
Wer Lust auf einen atmosphärischen Ostfrieslandkrimi hat, der mit einer gelungenen Mischung aus Mystery, moderner Kriminaltechnik und einem Hauch Heimatdichtung überzeugt, liegt hier goldrichtig. Perfekt für alle, die gern bei einer Tasse Tee und einem guten Buch in die mystische Welt des Moores eintauchen wollen – ohne dabei den Bezug zur Gegenwart zu verlieren.
Fazit: Spannend, atmosphärisch und mit sympathischen Figuren, nur hier und da ein bisschen zu berechenbar. Trotzdem eine klare Empfehlung für Fans von regionalen Krimis mit einem ungewöhnlichen Twist.
4 von 5 Sternen.
Klappentext
Im Herzen des Ewigen Meeres, Deutschlands größtem Hochmoorsee, verschwindet der renommierte Biologe Dr. Arvid Thelen spurlos. Die einzige Spur, die Hauptkommissar Thaddäus Adden findet, ist eine verstörende Audioaufnahme auf dem Handy des Vermissten: Darauf zu hören ist die glasklare Stimme seiner vor Jahren verstorbenen Frau, die ihn mit einem alten Wiegenlied in den dichten Nebel ruft.
Für die Einheimischen ist der Fall klar: Der "Nachtgesang", ein rachsüchtiger Geist des Moores, hat ein weiteres Opfer gefordert. Adden, ein Mann der Fakten, steht vor einem Rätsel. Er glaubt nicht an Geister, doch der tief verwurzelte Aberglaube legt sich wie ein zweiter Nebel über seine Ermittlungen. Als eine zweite Person unter identischen, schaurigen Umständen verschwindet, muss er erneut die Hilfe der brillanten, aber unnahbaren Profilerin Dr. Jette Vandermeer in Anspruch nehmen.
Von ihrem abgeschirmten High-Tech-Gulfhof aus erkennt Jette sofort, was Adden nur ahnte: Hier sind keine übernatürlichen Mächte am Werk. Die Audioaufnahme ist zu perfekt, die Methode zu präzise. Es ist die Tat eines technologisch brillanten Phantoms, das die Stimmen der Toten mit künstlicher Intelligenz klont, um seine Opfer in eine tödliche Falle zu locken.
Während Adden im Dickicht aus lokalen Legenden und der wachsenden Angst der Bevölkerung ermittelt, beginnt für Jette ein Wettlauf gegen die Zeit, um die digitale Quelle des Nachtgesangs zu finden. Sie ahnen nicht, dass der Täter ihnen immer einen Schritt voraus ist und dass die tiefste Schuld nicht in einer alten Sage, sondern in der ausgebeuteten Erde des Moores selbst wurzelt – und der Neid der Vergessenen noch immer nach Rache schreit.