Fräulein Gold: Der Preis der Freiheit - Die Hebamme von Berlin, Band 8 (Ungekürzte Lesung)
Kritik
Schon die ersten Takte der ungekürzten Lesung haben mich mitten ins Berlin von 1932 katapultiert – rau, laut und voller Widersprüche. „Fräulein Gold: Der Preis der Freiheit“ schickt uns in die bedrückenden Mauern des Frauengefängnisses Barnimstraße, wo Hulda Gold als Hebamme zwischen Leben und Tod balanciert. Hier trifft sie auf verzweifelte Frauen, die trotz allem hoffen, und plötzlich wird ein mysteriöser Todesfall zum Herzstück eines spannenden und atmosphärisch dichten Plots.
Hulda ist keine Heldin, die mit dem Holzhammer agiert, sondern eine fein gezeichnete Figur, die mit Empathie und innerer Stärke überzeugt. Die Dynamik zwischen ihr und der Kommissarin Irma Siegel bringt zusätzlichen Pepp in die Handlung. Ihre angespannte Vergangenheit und die Notwendigkeit, zusammenzuarbeiten, treiben die Geschichte voran und geben ihr Tiefe. Anne Stern schreibt flüssig, ohne sich in übertriebene Historiendetails zu verlieren. Die Sprache ist zugänglich, dabei aber keineswegs oberflächlich – perfekt zum Eintauchen, ohne sich von Fachchinesisch lähmen zu lassen.
Was ich richtig gut fand: Die Atmosphäre. Der Hörstil der ungekürzten Lesung bringt das hektische Berlin, die Enge hinter Gittern und die Unsicherheit der Zeit richtig gut rüber. Da fühlt man die Schwere der Weltgeschichte ganz unmittelbar. Ein kleiner Wermutstropfen: Manche Passagen ziehen sich ein wenig, gerade wenn bürokratische oder juristische Details eine größere Rolle spielen. Das hält den Spannungsbogen kurz, aber echt manchmal auf.
Für alle, die historische Krimis mit viel Gefühl, starken Frauen und dem Mut zur Wahrheit schätzen, ist dieser achte Band der Reihe ein Volltreffer. Man braucht keine Vorkenntnisse aus den vorherigen Teilen, aber wer die Serie kennt, wird sich sowieso freuen, bekannte Figuren wiederzutreffen und an der Entwicklung teilzuhaben.
Kurz gesagt: Ein leserisch (und hörerisch) lohnenswerter Abstecher in eine dunkle Epoche, der Mut macht und Herz zeigt. Von mir gibt’s ganz klare 4 von 5 Sternen – mit ein bisschen Luft nach oben, weil die Geschichte ruhig an ein paar Stellen etwas straffer hätte sein können. Aber definitiv ein Buch, das hängen bleibt und nachdenklich macht.