The Devils: The Devils, Band 1
Kritik
Kaum schlägt man „The Devils: The Devils, Band 1“ auf, spürt man sofort diese prickelnde Mischung aus bedrohlicher Dunkelheit und der merkwürdigen Hoffnung, die selbst in tiefster Verzweiflung aufblitzt. Joe Abercrombie, bekannt für seine verdammt guten düsteren Fantasygeschichten, entführt uns zusammen mit der Übersetzerin Kirsten Borchardt in eine zerfallende Welt am Abgrund. Krankheiten, Hunger, uralte Monster und skrupellose Herrscher – alles zusammengewürfelt in einem brodelnden Hexenkessel, vor dem nur einer Respekt zu haben scheint: der Rückkehr der Elfen, die alles vernichten sollen.
Die Handlung folgt Bruder Diaz, einem Mann, der sich mit Dämonen verbündet – im wahrsten Sinne des Wortes. Die düster gezeichneten Charaktere sind keine Helden im klassischen Sinne, sondern kaputte Seelen mit Ecken und Kanten, die man trotzdem auf ihrem harten Weg begleitet. Diaz’ Zerrissenheit zwischen Pflicht, Schuld und dem Überlebenskampf verleiht der Geschichte eine vielschichtige emotionale Tiefe, die man so nicht alle Tage bekommt. Besonders gefallen hat mir, wie Abercrombie sein Talent für knallharte Dialoge und überraschend menschliche Momente zusammenbringt – das macht die Figuren glaubhaft und unverwechselbar.
Der Schreibstil ist gewohnt schnörkellos, aber niemals langweilig. Stattdessen treibt er mit Tempo und kräftigen Bildern die Handlung voran, ohne dass man irgendwo ins Stocken gerät. Seine Fähigkeit, harte Fantasy mit einer Prise schwarzem Humor und einer gehörigen Portion Abgründigkeit zu vermischen, hebt das Buch ein gutes Stück von der Masse ab. Kleinere Schwächen findet man natürlich auch: Stellenweise hätte ich mir etwas mehr Tempo gewünscht, denn manche Passagen ziehen sich dann doch ein bisschen, und gelegentlich kippt die düstere Stimmung in fast zu aufgeputschte Apokalypse. Aber hey, bei so einem Setting darf’s ruhig dramatisch werden.
Wer sich also nach einer Fantasygeschichte sehnt, die mit fiesen Monstern, moralisch schwierigen Entscheidungen und einem Hauch von Verzweiflung kämpft, der ist hier genau richtig. „The Devils“ ist nichts für rosa Wolken oder müde Helden, sondern für alle, die in rauen Welten gern mal im Dreck wühlen und dabei trotzdem an das kleine Licht am Ende des Tunnels glauben wollen.
Unterm Strich: Ein starker Auftakt, der Lust auf mehr macht – düster, spannend und ungeschönt realistisch. Absolut lesenswert für Fans von packender, finsterer Fantasy mit Ecken und Kanten.
Bewertung: 4 von 5 Sternen
Klappentext
Europa steht am Abgrund. Krankheiten und Hunger raffen die Bevölkerung dahin, Monster lauern in den Schatten und gierige Prinzen nehmen sich rücksichtslos alles, was sie wollen. Nur eins ist sicher: Die Elfen werden zurückkehren und alles vernichten. Manchmal sind es die dunkelsten Pfade, die uns ins Licht führen. Pfade, auf denen nur die Gerechten wandeln können. Unter dem Prunk des Himmlischen Palastes liegt die geheime Kapelle eines Ordens, der aus Monstern besteht. Sie haben jede Sünde begangen, jede Grenze überschritten und im Blute Unschuldiger gebadet. Bruder Diaz muss nun versuchen, diese Kreaturen dazu zu bringen, eine heilige Mission zu erfüllen und die drohende Apokalypse aufzuhalten. Es wird ein Ritt durch die Hölle – und um zu überleben, braucht Diaz den Teufel an seiner Seite.