Am dunklen Wasser - Akte Nordsee, Teil 1 (Gekürzt)
Kritik
Manchmal braucht es keine Großstadt, um richtig Spannung zu erzeugen – Eva Almstädt zeigt das eindrucksvoll mit „Am dunklen Wasser“. Die rauen Nordseewinde und das stille Leben auf einem abgelegenen Bauernhof sind hier nicht nur Kulisse, sondern echte Charaktergeber für eine Geschichte, die vom ersten Satz an packt.
Im Fokus steht Fentje Jacobsen, keine Anwältin von der Stange, sondern eine Frau mit Ecken und Kanten, die sich mit großer Familie und ganz eigener Art durchs Leben kämpft. Ihre Großmutter, die langsam dem Vergessen verfällt, die rebellische Nichte und der etwas unbedachte Bruder sind nicht nur Nebenfiguren, sondern Teil einer lebendigen, chaotischen Welt, die fast schon greifbar wird. Und dann taucht der Fall auf – ein junger Mann wird des Mordes an seiner Freundin beschuldigt, und parallel verschwinden zwei Mädchen von einem Internat in der Nähe. Ein klassischer Nordsee-Krimi-Plot? Ja, aber eben mit viel Seele und überraschender Tiefe.
Besonders gut gefallen hat mir Almstädts klarer, schnörkelloser Stil, der ohne großes Brimborium auskommt, dabei aber nie langweilig wird. Die Spannung baut sich behutsam auf, und die menschlichen Zwischentöne sorgen dafür, dass man Fentje wirklich gern begleitet. Die Dynamik zwischen ihr und dem Journalisten Niklas John bringt zusätzlich Pfeffer in die Geschichte und macht neugierig auf mehr.
Klar, der Kitsch kommt manchmal ein bisschen zu sehr um die Ecke, und die Nebencharaktere könnten manchmal noch ein wenig mehr Schärfe vertragen. Aber hey – für einen Auftakt einer neuen Reihe geht das voll in Ordnung. Gerade wer atmosphärische Krimis mag, die nicht nur auf der „whodunit“-Ebene funktionieren, sondern auch das Zwischenmenschliche nicht vergessen, ist hier genau richtig.
Kurzum: „Am dunklen Wasser“ ist ein gelungener Einstieg in die Akte Nordsee. Wer Lust auf erfrischende Protagonist:innen, norddeutsches Flair und eine Prise Familiendrama hat, sollte hier unbedingt reinhören.
4 von 5 Sternen – da will man definitiv mehr von Fentje Jacobsen hören.