Wenn dir das hier gefiel …
Halbwach
Key Facts
Kritik
Manchmal fühlt sich ein Buch an wie ein Gespräch mit einer Freundin, die einen mitten ins Leben schaut – „Halbwach“ von Sophia Como ist genau so eines. Zoe, die Protagonistin, legt die Karten offen auf den Tisch: Statt der großen Liebe gibt es für sie Cocktails, Partys und unverbindlichen Sex. Klingt nach einem flotten Mix aus Alltag, Zweifel und der Suche nach sich selbst – und genau das macht den Charme des Buches aus.
Die Handlung dreht sich um Zoes Jonglage mit Freiheit und Nähe, um ihre klar formulierte Ablehnung gegen bindende Beziehungen und das, was passiert, wenn da plötzlich mehr Gefühl ins Spiel kommt. Ohne viel Tamtam folgt man ihrem inneren Zwiespalt, ihren ehrlichen Gedanken und ungeschönten Momenten. Mael als Charakter passt da ziemlich gut ins Bild, ein Spiegel für Zoes Vorstellungen von Nähe ohne Belastung, doch die Geschichte zeigt: so einfach ist das nie.
Sophia Comos Schreibstil ist angenehm locker und flüssig, dabei fühlt sich alles ganz unverkrampft und authentisch an – keine große Dramatik, sondern eher ein ehrlicher Blick auf die Gefühlswelt einer jungen Frau, die nicht ganz weiß, wohin sie mit sich will. Besonders gelungen fand ich den unverblümten Ton und die Art, wie zwischen den Zeilen die Jahreszeiten des Verliebtseins und Zweifelns mitschwingen. Auch die Cozy-Atmosphäre in der Altbauwohnung, das Journaling und dazu die lauten Nächte machen die Szenerie lebendig.
Klar, an manchen Stellen hätte das Tempo etwas mehr Drive vertragen können, und gelegentlich wirken Zoes Gedankengänge etwas repetitiv – aber das ist eher Meckern auf hohem Niveau. Wer gerne in milde Melancholie eintaucht und dabei nicht auf große Wow-Effekte angewiesen ist, findet hier ein wirklich sympathisches Porträt moderner Beziehungsdynamiken.
Kurz gesagt: „Halbwach“ ist ein Buch für alle, die keine perfekten Liebesgeschichten, sondern ehrliche, manchmal ungeschliffene Blicke auf die eigenen Sehnsüchte und Zweifel suchen – mit einer Prise Selbstironie und viel Gefühl.
4 von 5 Sternen. Ein solides, lebendiges Leseerlebnis, das zum Nachdenken anregt, ohne zu belehren. Wer auf leichte, realistische Romane steht, sollte hier unbedingt reinschauen.
Klappentext
Als erfolgreiche Autorin liebt Zoe romantische Geschichten – solange sie nicht ihre eigenen sind. Denn im wahren Leben bedeutet Liebe für sie Enge und Stress. Also bleibt sie unabhängig, geht feiern, hat One Nights Stands und treibt ihre Karriere voran. Zoe ist überzeugt: Sie braucht keine Beziehung. Als sie den attraktiven Mael kennenlernt, scheint alles perfekt. Auch er möchte unter keinen Umständen eine feste Bindung eingehen und bietet Zoe genau das, was sie will - Nähe ohne Verpflichtung. Doch diese Nähe fühlt sich mit einem Mal gar nicht mehr so unverbindlich an, und Zoes sorgfältig entwickeltes Lebenskonzept bekommt Risse. Schließlich begibt sie sich auf eine schonungslos ehrliche Reise zu sich selbst und muss dabei nicht wenige Fragen beantworten: Was wird von uns in Beziehungen erwartet? Warum wollen wir immer das, was wir nicht haben können? Und warum ist sie wirklich seit so vielen Jahren Single?
Elektrisierender Millennial-Roman von SPIEGEL-Bestsellerautorin Sophia Como