Wenn dir das hier gefiel …
Zwei vernünftige Erwachsene, die sich mal nackt gesehen haben
Key Facts
Kritik
Manchmal braucht es genau so eine Geschichte, die einfach mitten ins Leben trifft – ungeschönt, ehrlich und mit einer guten Portion Humor. Anika Deckers „Zwei vernünftige Erwachsene, die sich mal nackt gesehen haben“ hat mich genau da abgeholt, wo viele von uns im Leben stehen: mit Ecken, Kanten und ein bisschen Chaos.
Im Zentrum steht Nina, bald fünfzig, frisch geschieden und Mutter von zwei Kindern, die nicht nur mit dem Herz, sondern auch mit ihrem Alltag kämpft. Ihr Ex ist mit einer deutlich jüngeren Influencerin durchgestartet, was Ninas Selbstzweifel und Zynismus ordentlich befeuert. Und dann tritt David in ihr Leben – zwei Jahrzehnte jünger, charmant und eine echte Gefühlsrakete. Klingt erstmal nach klassischem „May-December“-Drama, ist aber so viel mehr. Es geht um Selbstfindung, Mut zum Glück und die Frage, wie man eigentlich sein eigenes Leben leben kann, wenn alle anderen schon eine Meinung haben.
Die Figuren sind wunderbar nahbar: Nina ist keine perfekte Heldin, sondern jemand, mit dem man lachen, mitleiden und manchmal auch die Augen rollen möchte – einfach echt. Deckers Schreibstil ist locker, witzig und trotzdem feinfühlig, fast so, als würde eine gute Freundin erzählen. Besonders gefallen hat mir, wie sie die kleinen, absurden Alltagsmomente einfängt, ohne dass es ins Kitschige kippt.
Kleinere Schwächen sind für mich die ein oder andere vorhersehbare Wendung und gelegentliche Wiederholungen im Gedankenkarussell von Nina. Aber hey, das gehört zu ihrem echten Charakter und macht sie nicht weniger sympathisch.
Wer also Lust auf ein warmherziges Buch hat, das ohne großes Drama einfach zeigt, wie kompliziert und schön das Leben sein kann, findet hier genau das Richtige. Vier Sterne für eine Geschichte, die erdet und gleichzeitig zum Träumen einlädt.
Klappentext
Nina: bald fünfzig, geschieden, Mutter von zwei Kindern. Ihren Zustand beschreibt sie so: leichte Aggressionen, aufkommender Zynismus, Brustspannen. Nicht, dass sie ihrem Ex die Ehe mit der jungen Influencerin und »Zwillings-Mama« missgönnen würde, ihr sind lediglich einige Details aufgefallen, die in ihrem Kopf herumgeistern: ihre Anderthalb-Zimmer-Wohnung im Vergleich zur repräsentativen Villa ihres angeblich bankrotten Ex beispielsweise. Doch dann geschieht, was Nina nicht glauben will: Sie verliebt sich in den zwanzig Jahre jüngeren David und bringt damit ihre fragile Lebenskonstellation ins Wanken. Denn jeder hat eine Meinung dazu, inklusive sie selbst, und wenn sie glücklich werden will, muss sie ihr Leben neu aufrollen.