Der Totengräber und der Orden des Teufels (Die Totengräber-Serie 5)
Kritik
Kaum schlägt man „Der Totengräber und der Orden des Teufels“ auf, weht einem der Nebel des finsteren Wiens von 1896 direkt ins Gesicht – und man fühlt sich sofort mittendrin in einem düsteren Netz aus Geheimnissen und dunklen Ritualen. Oliver Pötzsch schafft es mühelos, den Leser von der ersten Seite an zu fesseln, ohne dabei mit zu viel Horror zu überladen.
Im Zentrum der Handlung steht der komplexe Inspektor Leopold von Herzfeldt, der zusammen mit dem hartnäckigen Totengräber Augustin Rothmayer an einem mysteriösen Mordfall arbeitet. Unterstützung bekommen sie von Julia Wolf, einer cleveren Reporterin, sowie – Überraschung – Sigmund Freud, der dem Geschehen eine ganz besondere psychologische Tiefe verleiht. Die Mischung aus historischen Figuren und fiktiven Charakteren ist geschickt zusammengesetzt und sorgt für lebendige Dynamik und spannende Dialoge.
Pötzschs Schreibstil ist angenehm schnörkellos und punktet mit einem feinen Gespür für Atmosphäre. Besonders gefallen hat mir, wie er die dunklen Schattenseiten Wiens – die okkulten Sekten, die politischen Intrigen und die aufkommende Menschenfeindlichkeit – ohne Effekthascherei, aber sehr eindringlich darstellt. Und mal ehrlich: Wer hat nicht Lust, in eine Zeit einzutauchen, in der Geheimlogen und blutige Rituale vielleicht doch mehr als nur Legenden waren?
Natürlich gibt es hier und da kleinere Längen, besonders wenn die Ermittlungen ein wenig zu detailliert und langatmig werden – das Tempo schwankt, was das Lesen manchmal ein bisschen ausbremst. Auch die gelegentlichen historischen Exkurse können Fans von reiner Spannung nerven, für Liebhaber von gut durchdachtem Historienstoff sind sie aber durchaus ein Gewinn.
Wer auf düstere Krimis mit einem historischen Setting steht und dabei nicht nur auf schnelle Action, sondern auf echten Tiefgang und interessante Figuren Wert legt, ist hier genau richtig. „Der Totengräber und der Orden des Teufels“ bietet eine gelungene Mischung aus Spannung, Historie und einem Schuss Okkultismus – Hand aufs Herz, das hat schon was.
Meine Bewertung: 4 von 5 Sternen. Ein atmosphärisch dichter Thriller, der ein bisschen Zeit braucht, dafür aber lange auf der Haut bleibt.