Commissaire Cluzet und das verschwundene Testament - Commissaire Cluzet, Folge 6 (Ungekürzt)
Kritik
Es gibt Bücher, bei denen man sich sofort in eine kleine, lebendige Welt versetzt fühlt – „Commissaire Cluzet und das verschwundene Testament“ gehört definitiv dazu. Gleich zu Beginn hat mich die Mischung aus idyllischem Normandiedorf-Flair und dem unerwarteten Schatten eines Mordfalls in den Bann gezogen. Das Ganze spielt in Auciel Haute, wo ein vermeintlicher Millionenschatz für ordentlich Trubel sorgt, und mittendrin Commissaire Cluzet, der eigentlich längst in Rente sein sollte, aber einfach nicht von der Spur lassen kann.
Die Handlung ist spannend – ein verschwundenes Testament, ein toter Rechtsanwalt und ein Geheimnis, das die ganze Gemeinde aufwühlt. Doch statt hektischer Großstadthektik gibt es hier eher dieses gemütliche, manchmal fast zwischenmenschlich-intime Ermittlungsfeeling. Cluzet ist ein herrlich bodenständiger Typ mit Ecken und Kanten, dessen sympathische Art man sofort mag. Besonders charmant sind die Begegnungen mit seinen Freunden, etwa dem Apfelbauern Bruno, und die kleinen Einblicke in das Landleben, die der Autor mit viel Liebe zum Detail beschreibt.
Alexandre Dupont schreibt angenehm flüssig und mit einer Prise trockenem Humor, der die Geschichte locker macht, ohne ihr die nötige Spannung zu nehmen. Man merkt, dass hier jemand Freude daran hat, Charaktere lebendig werden zu lassen und eine Atmosphäre zu schaffen, die mehr ist als ein klassischer Krimi. Einzige kleine Schwäche: Die Handlung bewegt sich teilweise recht gemächlich, was Leser:innen, die es actiongeladener mögen, vielleicht ein bisschen zäh vorkommen könnte.
Alles in allem ist „Commissaire Cluzet und das verschwundene Testament“ ein wunderbarer Wohlfühlkrimi mit Tiefgang und einer Prise französischem Savoir-vivre. Wer Lust auf einen entspannten, doch clever aufgebauten Kriminalfall hat, bei dem nicht nur das „Was“ zählt, sondern auch das „Wer“ und „Warum“, sollte hier unbedingt reinschnuppern.
4 von 5 Sternen – ein lohnender Tipp für alle, die Krimis mit Herz und Handwerk schätzen.
Klappentext
Über die Serie:
Urbain Cluzet ist Commissaire de Police in Paris. Besser gesagt, er war es. Denn nach dem Tod seiner geliebten Frau und seiner Pensionierung zieht er sich in seinen Geburtsort, das beschauliche Auciel Haute in der Normandie, zurück. Doch das Ermitteln kann er nicht lassen. Zumal Sandrine Saidi, die begabteste Polizistin des Ortes, von ihrem inkompetenten Chef, dem Major de Police Melki, ausgebremst wird.
Dennoch - oder gerade deswegen - genießt Cluzet das gemütliche Leben in Auciel Haute, wo er im kleinen Gartenhäuschen der Pension seiner Wahl-Enkelin Nathalie Bosc wohnt und sich regelmäßig mit seinem besten Freund, dem Apfelbauern und Schwarzbrenner Bruno, auf einen Calvados trifft.