Das Känguru-Manifest (Die Känguru-Werke 2)
Kritik
# Rezension: Das Känguru-Manifest – politisch, skurril und herrlich anarchisch
Wer das erste Buch der Känguru-Werke mochte, wird auch bei Das Känguru-Manifest sofort in vertrauter Stimmung sein: Die Mischung aus bissiger Satire, politischem Wortwitz und absurder Komik ist einfach unwiderstehlich. Gleich zu Beginn fühlt man sich fast, als würde man auf einen alten Freund treffen – nur eben auf ein politisch äußerst lebhaftes Känguru, das keine Gelegenheit auslässt, die Welt ein bisschen auf den Kopf zu stellen.
Inhaltlich geht es diesmal um eine ziemlich verrückte Jagd: Das kommunistische Känguru und der stoische Kleinkünstler schlitternden durch scheinbar chaotische Welten – immer auf Spur eines zwielichtigen Pinguins, der sich als Dreh- und Angelpunkt für jede Menge Skandale, Verschwörungen und einen it’s-so-bad-it’s-good-Mord entpuppt. Kling fängt mit seinen absurd-witzigen Dialogen die Absurditäten unseres Alltags perfekt ein und lässt dabei keine politischen Klischees ungeschoren. Die Figuren sind klar konturiert, besonders das Känguru besticht durch seinen frechen Anti-Establishment-Charme, während der Kleinkünstler mit einem stoischen Understatement punktet. Die Dynamik zwischen den beiden ist das zentrale Herzstück des Buches und sorgt immer wieder für lautstarkes Lachen.
Was mich besonders begeistert hat, ist Marc-Uwe Klings Sprachwitz: kein Satz langweilt, kein Gag verpufft. Seine Texte sind so leicht und gleichzeitig pointiert, dass man sie kaum aus der Hand legen will. Schnell eröffnet sich eine Welt, die voll ist von überraschender Schlagfertigkeit und klugen Beobachtungen all der politischen und gesellschaftlichen Absurditäten, in denen wir stecken. Zugegeben, manchmal wird das Chaos ein bisschen sehr wild – wer also gerne straff strukturierte Handlungen mag, könnte hier gelegentlich kurz den Faden verlieren. Trotzdem passt das zum anarchischen Spirit, den man seit dem ersten Band liebt.
Kritisch angemerkt sei, dass die zahlreichen kulturkritischen Spitzen und Seitenhiebe manchen Leser:innen an manchen Stellen vielleicht etwas zu aufdringlich erscheinen – aber mal ehrlich, genau darum geht es doch bei den Känguru-Werken: der charmant-wütende Blick auf eine Welt, die dringend aufgerüttelt werden will.
Fazit: Das Känguru-Manifest ist genau das richtige Buch für alle, die gerne laut lachen und gleichzeitig ein bisschen den gesellschaftlichen Spiegel vorgehalten bekommen wollen. Ein bissiger, witziger Roadtrip durch die Absurditäten unserer Zeit mit zwei absolut genialen Figuren. Wer Spaß an politischem Humor und cleveren Dialogen hat, wird hier bestens unterhalten.
Bewertung: ★★★★☆ (4 von 5 Sternen) – Ein großer Spaß mit kleinen Schwächen, die das Lesevergnügen kaum mindern.