Mitz, das Pinseläffchen (Ungekürzt)
Kritik
Schon nach den ersten Seiten fühlt man sich wie in einem Sommer voller Wärme und zarter Begegnungen, die das Herz berühren – genau das schafft Sigrid Nunez mit „Mitz, das Pinseläffchen“. Man begleitet Leonard und Virginia Woolf, die im Jahr 1934 ein kleines, kränkliches Äffchen namens Mitz aufnehmen. Was anfangs wie eine simple Tiergeschichte wirkt, entfaltet sich bald zu einem liebevollen Porträt nicht nur von Mitz, sondern auch von der faszinierenden Bloomsbury Group und der heilsamen Kraft von Freundschaft und Fürsorge.
Die Figuren sind liebevoll gezeichnet und wirken trotz oder gerade wegen ihrer Eigenheiten unglaublich lebendig. Leonard als sanfter Beschützer, Virginia Woolf mit ihrer verletzlichen, doch starken Ausstrahlung – man fühlt sich mitten im Geschehen, als würde man selbst neben ihnen sitzen. Nunez’ Schreibstil ist dabei ein echtes Highlight: klar, präzise und doch so poetisch, dass man beim Lesen öfter innehält und den Moment genießt. Besonders gefallen hat mir, wie sie die kleine Geschichte des Äffchens als Spiegel für die großen Fragen des Lebens nutzt, ohne dabei belehrend zu wirken.
Ganz ehrlich, ich hätte mir manchmal ein etwas flotteres Tempo gewünscht – einige Passagen ziehen sich ein wenig, was die Luftigkeit etwas dämpft. Trotzdem verliert das Buch nie seine emotionale Tiefe und bleibt charmant bis zur letzten Seite.
„Mitz, das Pinseläffchen“ ist genau das richtige Buch für alle, die sich nach einem zarten, klugen Wohlfühlroman sehnen, der gleichzeitig den Blick für das Besondere im Alltäglichen schärft. Wer Geschichten liebt, die unter die Haut gehen, ohne Kitsch zu sein, sollte hier unbedingt reinschnuppern.
4 von 5 Sternen – warmherzig, klug und ein bisschen magisch.