Rumo & Die Wunder im Dunkeln
Kritik
Manchmal stolpert man in ein Buch, das sich anfühlt wie ein Überraschungsei voller fantastischer Welten – genau so geht es einem mit „Rumo & Die Wunder im Dunkeln“ von Walter Moers. Kaum aufgeschlagen, wird man mitgerissen in ein verrücktes Abenteuer durch das schillernde Zamonien, ein Land voller skurriler Kreaturen und mystischer Orte.
Im Zentrum steht Rumo, ein junger Wolpertinger, der sich mutig aufmacht, um seinen eigenen Weg zu finden – und zwar nicht irgendwo, sondern quer durch die geheimnisvolle Dunkelheit und das bizarre Theater der Schönen Tode. Da trifft man auf alles, was die Fantasie nur so hergibt: von Teufelszyklopen über Mondlichtschatten bis hin zu kupfernen Kerlen, die für Überraschungen sorgen. Rumo ist dabei kein klassischer Held mit Superkräften, sondern ein liebenswerter Draufgänger, der durch seine Neugierde und seinen Mut besticht. Genau das macht ihn sympathisch und glaubwürdig, sodass man ihm Seite für Seite folgen möchte.
Walter Moers’ Schreibstil ist ein echtes Highlight: spritzig, bildgewaltig und mit einer Portion Humor, die immer wieder für ein Schmunzeln sorgt. Seine Wortschöpfungen und die detaillierten Beschreibungen machen das Lesen zu einem echten Fest für die Fantasie – natürlich manchmal so absurd, dass man zweimal hinsehen muss, um den ganzen Witz zu erfassen. Dass die Geschichte nicht nur ein simples Abenteuer ist, sondern auch eine emotionale Tiefe bekommt, macht den Roman besonders, ohne dabei jemals zu schwer zu wirken.
Ein kleiner Wermutstropfen? Die Handlung zieht sich stellenweise etwas, wenn man tief in die einzelnen Begegnungen eintaucht. Wer also mehr Action als Atmosphäre erwartet, könnte hier mal eine Passage finden, die etwas zäh erscheint. Auch die Vielzahl an Figuren kann gelegentlich überfordern, wenn man nicht hundertprozentig im Moers’schen Universum angekommen ist.
Für alle, die Lust auf eine originelle, fantasievolle Reise mit viel Herz, Humor und unvergesslichen Figuren haben, ist „Rumo & Die Wunder im Dunkeln“ definitiv die richtige Wahl. Wer sich gern auf ein unkonventionelles und magisches Abenteuer einlässt, wird an diesem Buch seine Freude haben – ein echter Zamonien-Klassiker eben.
4 von 5 Sternen – weil es einfach Spaß macht, Moers’ wilde Welten zu durchstreifen, auch wenn man zwischendurch kurz verschnaufen muss. Ein Buch für Träumer und Entdecker, die sich gerne auf das Außergewöhnliche einlassen.
Klappentext
Rumo, der junge Wolpertinger aus "Die 13 ½ Leben des Käpt'n Blaubär", macht sich selbstständig und geht seinen Weg durch den gefährlichen Kontinent Zamonien.
Er folgt einer Geruchsspur, die nur er wittern kann. Auf seiner abenteuerlichen Reise durch Oben- und Untenwelt verschlägt es ihn in den geheimnisvollen Nurnenwald und in das Theater der Schönen Tode. Er begegnet Teufelszyklopen und Mondlichtschatten, den Kupfernen Kerlen und den Toten Yetis – und endlich findet Rumo zu Rala, die ihm die Wunder im Dunkeln zeigt.
Produktion: Hessischer Rundfunk 2004
Ungekürzte Lesung mit Dirk Bach
25h 11min