The Conscience of the Party : Hu Yaobang, China's Communist Reformer
Kritik
Schon beim Aufschlagen dieses Buches fühlt man sich mitten in einem der spannendsten und zugleich tragischsten Kapitel der chinesischen Geschichte – keine trockene Abhandlung, sondern ein packendes Portrait eines Mannes, der mehr war als nur eine Funktionärsfigur. Robert L. Suettinger lässt uns das Leben Hu Yaobangs nicht nur nachvollziehen, sondern regelrecht miterleben.
Hu Yaobang war kein typischer Parteifunktionär, sondern ein reformfreudiger Visionär mit Prinzipien, der sich im Sturm von Machtspielen behaupten musste. Suettinger beschreibt ihn als einen Mann, der nicht nur politische Reformen vorantrieb, sondern auch eine zutiefst menschliche Seite zeigte – authentisch, nachdenklich und nicht frei von inneren Konflikten. Besonders beeindruckend fand ich, wie der Autor Hu als „Gewissen der Partei“ zeichnet, jemand, der nicht nur gegen den Strom schwamm, sondern oft genug dafür teuer bezahlte.
Der Schreibstil ist angenehm flüssig, manchmal fast erzählerisch, ohne dabei an analytischer Tiefe zu verlieren. Gerade weil Suettinger sich nicht in endlosen Fachbegriffen verliert, bleibt das Buch auch für Leser:innen reizvoll, die keine China-Profis sind. Zwischendurch wünscht man sich fast, man könne mit Hu diskutieren oder ihm einfach nur zuhören – so lebendig ist das Bild, das hier gezeichnet wird.
Natürlich bleibt das Buch in manchen Passagen etwas detailliert in der politischen Bürokratie verhaftet, was für ungeübte Leser:innen gelegentlich Geduld erfordert. Und an manchen Stellen hätte ich mir noch etwas mehr Emotionalität oder persönliche Anekdoten gewünscht, um Hu noch greifbarer zu machen. Aber das sind nur kleine Schönheitsfehler in einem ansonsten sehr gelungenen Werk.
Für alle, die sich für moderne chinesische Geschichte, politische Reformen und die Tragik großer Idealisten interessieren, ist dieses Buch ein echtes Juwel. Aber auch wer einfach nur die Geschichte eines außergewöhnlichen Mannes liest, der zwischen Pflicht und Gewissen zerrissen ist, sollte hier zugreifen.
Klare Empfehlung: 4 von 5 Sternen. Ein bewegendes Porträt, das nachhallt und neugierig macht auf mehr.
Klappentext
The Conscience of the Party is the biography of the Chinese Communist Party's most avid reformer and its general secretary for a key stretch of the 1980s. A supremely intelligent leader with an exceptional populist touch, Hu Yaobang was tapped early by Mao Zedong as a capable party hand. But Hu's principled ideas made him powerful enemies, and during the Cultural Revolution he was purged, brutally beaten, and consigned to forced labor. After Mao's death, Hu rose again as an ally of Deng Xiaoping, eventually securing the party's top position. In that role, he pioneered many of the economic reforms subsequently attributed to Deng. But Hu also pursued political reforms with equal vigor, pushing for more freedom of expression, the end of lifetime tenure for CCP leaders, and the dismantling of Mao's personality cult. Alarmed by Hu's growing popularity and increasingly radical agenda, Deng had him purged again in 1987. Hu Yaobang suffered for his principles but inspired millions in the process.