Küstenwind
Kritik
Schon zu Beginn nimmt „Küstenwind“ einen gefangen, als würde man selbst über die schroffen Klippen Fehmarns blicken und den salzigen Wind auf der Haut spüren. Eva Lirot und Saga Storify haben hier einen Krimi geschrieben, der nicht nur mit spannender Handlung, sondern auch mit atmosphärisch dichter Kulisse punktet. Frieda Lieken, die junge Kommissarin, steht mitten in einem verzwickten Fall: Drei Menschen verschwinden spurlos nach einem Klassentreffen – ihr einziger Hinweis ist ein mysteriöser Weihnachtsengel mit Racheplänen.
Die Geschichte treibt geschickt voran, lässt kaum Verschnaufpausen zu und macht Lust, Seite um Seite umzublättern. Frieda wirkt authentisch und sympathisch, man fühlt mit ihr, wenn sie zwischen Pflichtbewusstsein und eigenen inneren Zweifeln schwankt. Dabei gelingt es den Autorinnen, das Ermittlerinnen-Dasein realistisch und nicht klischeehaft darzustellen. Der Wechsel zwischen den Perspektiven ist gut gesetzt und schafft ein abwechslungsreiches Leseerlebnis.
Der Schreibstil ist dabei angenehm klar und schnörkellos, was vor allem bei so einem spannenden Plot mehr als passend ist. Manchmal hätte ich mir allerdings gewünscht, dass manche Details etwas knackiger auf den Punkt kommen – zwischendurch gab es für meinen Geschmack etwas zu viele kleine Ausschweifungen, die den Erzählfluss kurz stocken ließen. Aber das ist Meckern auf hohem Niveau, denn insgesamt hält „Küstenwind“ die Spannung bis zum Schluss.
Wer Lust auf einen clever konstruierten Krimi mit nordischem Flair hat, bei dem es nicht nur um Täter und Opfer geht, sondern auch um alte Geschichten und vergessene Geheimnisse, der ist hier genau richtig. Für zwischendurch, zum Eintauchen und mitfiebern – perfekt für gemütliche Leseabende.
Fazit: Stimmige Figuren, spannende Story und ein atmosphärisches Setting machen „Küstenwind“ zu einem echten Lesegenuss. 4 von 5 Sternen.