Erlöser (Ein Harry-Hole-Krimi 6)
Kritik
Wenn sich zwei unerschrockene Jäger in einem Spiel auf Leben und Tod gegenüberstehen, merkt man sofort: Hier knistert die Luft. „Erlöser“ katapultiert dich mitten hinein in Oslo, wo Harry Hole – dieser komplexe, ja fast schon mythische Ermittler – aufs Härteste gefordert wird. Diesmal zieht ihn der Auftrag, den berüchtigten Killer Stankic zu stellen, in einen mörderischen Wettlauf, der so spannend wie emotional aufgeladen ist.
Das Duell zwischen Harry und Stankic ist einfach mitreißend. Die Figuren wirken kein bisschen stereotyp, sondern tragen ihre Narben sichtbar mit sich – im Kopf, in der Seele. Nesbøs Erzählstil ist gewohnt schnörkellos, dabei so präzise und atmosphärisch dicht, dass man fast die kalte Osloer Luft spürt. Dazu kommt Heikko Deutschmanns Stimme im Hörbuch, die jedem Satz die passende Schwere und manchmal fast schon Bitterkeit verleiht. Klingt trivial, aber das macht einen echten Unterschied.
Jetzt mal ehrlich: Wer Krimis mit super ausgetüftelten Plots liebt, aber keine Lust auf seelenlose Action hat, liegt hier genau richtig. Klar, die Story ist manchmal etwas vorhersehbar – wäre ja auch komisch, wenn Harry Hole nicht wenigstens kurzfristig in die Bredouille geriete – aber genau das macht ihn ja so menschlich. Ein kleiner Wermutstropfen sind vielleicht die manchmal langatmigen Passagen, die Fans der schnellen Gangart eventuell Geduld abverlangen.
Kurzum: „Erlöser“ ist ein spannender, atmosphärischer Thriller, der Lust macht auf mehr von Jo Nesbø und seiner faszinierenden Hauptfigur. Ein Muss für alle, die nicht nur Spannung, sondern auch Tiefgang mögen.
4 von 5 Sternen – für einen cleveren Thriller mit Biss und Charakter.