Wenn du mir gehörst
Kritik
Manchmal braucht ein Thriller keine Explosionsszenen oder endlose Verfolgungsjagden, um richtig fesseln zu können – Michael Robotham zeigt das mit „Wenn du mir gehörst“ auf beeindruckende Weise. Gleich zu Beginn spürte ich diese unterschwellige Spannung, die sich wie ein Netz um die Figuren legt und kaum mehr loslässt.
Im Zentrum steht die junge Polizistin Phil McCarthy, die mit viel Idealismus ihren Dienst tut – bis sie es mit einem hochrangigen Kollegen zu tun bekommt, der hinter seiner Fassade eine gefährliche Dunkelheit verbirgt. Was dann folgt, ist eine knifflige Mischung aus Loyalität, Verrat und einer Freundschaft, die sich völlig unerwartet entwickelt. Besonders fasziniert hat mich die komplexe Beziehung zwischen Phil und Tempe: Der Autor schafft es, Charaktere zu zeichnen, die nicht nur gut oder böse sind, sondern facettenreich und menschlich, was der Erzählung enorm Tiefe verleiht.
Robothams Schreibstil ist dabei wunderbar flüssig und präzise, ohne sich in unnötigen Details zu verlieren. Man fühlt sich ganz nah dran an den Geschehnissen, fast so, als würde man selbst im Nebel eines Londoner Verbrechens herumirren. Kleine Wendungen überraschen immer wieder und sorgen für ordentlich Drive – genau wie ich das bei einem Thriller liebe.
Klar, ab und an hat die Geschichte ihren Moment, in dem sie etwas geradliniger hätte sein können, und manche Figuren hätten für meinen Geschmack noch ein bisschen mehr Hintergrund vertragen können. Aber das trübt den Lesespaß keineswegs, vielmehr lässt es das Ganze authentisch und nahbar wirken.
Wenn du Lust auf einen Thriller hast, der nicht nur Spannung liefert, sondern auch mit starken Charakteren und einer emotionsgeladenen Story punktet, dann ist „Wenn du mir gehörst“ definitiv einen Blick wert. Für mich ist das eine spannende Reise durch Londons Schattenwelt, die man so schnell nicht vergisst.
4 von 5 Sternen – packend, klug und mit einem Herz für die Ecken und Kanten seiner Figuren.
Klappentext
Der jungen Londoner Polizistin Philomena "Phil" McCarthy steht eine vielversprechende Karriere bevor. Bis sie zu einem Fall häuslicher Gewalt gerufen wird. Der Täter ist ein hochdekorierter Detective, und Phils Versuch, seine junge Geliebte Tempe vor ihm zu schützen, enden damit, dass sie vom Dienst suspendiert wird. Zumindest Tempe dankt Phil ihren Einsatz: Die beiden Frauen werden enge Freundinnen, bald sind sie unzertrennlich. Doch etwas geht nicht mit rechten Dingen zu, und als eine Leiche gefunden wird, muss Phil feststellen, dass Tempe von Anfang an ihre ganz eigene Agenda hatte ...
Gekürzte Lesung mit Monika Oschek
9h 32min