Wenn dir das hier gefiel …
Kommissar Ubben und der Absturz: Ostfrieslandkrimi
Key Facts
Kritik
Kaum hatte ich die ersten Seiten von „Kommissar Ubben und der Absturz“ aufgeschlagen, spürte ich sofort die eigentümliche Atmosphäre dieses moorig-kalten Ostfrieslands. Ein abgeschiedener Ort, der seine Geheimnisse wie den dichten Nebel über den Mooren verbirgt – und genau da fängt dieser Krimi an zu fesseln. Man glaubt fast, den feuchten Boden unter den Füßen zu spüren und die einsame Bank, auf der Hajo Willms entdeckt wird, selbst zu sehen.
Die Geschichte startet mit einem mutmaßlichen Suizid eines alten Moorkolonisten, der so still und poetisch wirkt, dass die Polizei schnell zufrieden ist. Doch Hauptkommissar Finn Ubben will sich nicht mit einfachen Antworten abspeisen lassen – und das ist auch gut so! Ubben ist kein durchtriebener Actionheld, sondern ein leiser, nachdenklicher Ermittler, dessen philosophische Seiten ihm eine ganz eigene Tiefe verleihen und den Fall spannender machen, als man anfangs vermuten würde. Der mysteriöse Kompass als zentrales Symbol bringt wirklich Schwung in die Handlung und öffnet ein lang gehütetes Kapitel aus der Zeit des Kalten Krieges. Plötzlich ist man mittendrin in einem Netz aus Verschwörungen und Machtspielen, das den Ruf des idyllischen Ostfrieslands ordentlich auf den Kopf stellt.
Tom Willhaus schreibt mit leichter Hand, ohne dabei die Spannung oder die Charakterzeichnung zu vernachlässigen. Der Lockdown in dieser kühlen, fast greifbaren Welt fühlt sich immer glaubwürdig an, die Dialoge sind knackig, mit einem fast schon lakonischen Humor, der nicht aufgesetzt wirkt. Mir persönlich hat die Mischung aus melancholischem Setting und der langsam entfalteten Geheimnisspirale sehr gefallen – das sorgt für Atmosphäre und Nervenkitzel, ohne auf laute Effekte zu setzen.
Kritisch anmerken möchte ich, dass das Tempo stellenweise etwas schwankt. Gerade, wenn sich die Ermittlungen in die Tiefe graben, kann die Handlung kurzzeitig etwas behäbig wirken. Für Leser:innen, die schnelle, actiongeladene Thriller bevorzugen, könnte das etwas zäh erscheinen. Auch die Nebenfiguren wären manchmal noch ein bisschen mehr ausgearbeitet schön gewesen – da hat sich Willhaus eher aufs Wesentliche konzentriert.
Wer Lust auf einen Ostfrieslandkrimi hat, der mit Ruhe, klugem Plot und einer Prise Philosophie begeistert, ist hier bestens aufgehoben. Kleine Schwächen verzeiht man bei dem leisen Sog dieser Geschichte gern. Finn Ubben ist ein Ermittler, der haften bleibt, und das Moor ein Schauplatz, der bei jedem Kapitel spannender wird.
Kurzum: Für alle, die Krimis mit Tiefgang und einem starken Setting schätzen, ist „Kommissar Ubben und der Absturz“ auf jeden Fall einen Ausflug ins Ostfriesland moor wert.
Bewertung: 4 von 5 Sternen.