Das Geheimnis der Rosengärtnerin - Post, Mord und Provinzgeflüster, Folge 2 (Ungekürzt)
Kritik
Schon beim ersten Kapitel fühlt man sich fast selbst aufs Rad gesetzt und in das charmant verschlafene Dorf im Herzen Luxemburgs entführt – die perfekte Mischung aus Provinzflair und Krimispannung, die einen einfach am Ball bleiben lässt. In „Das Geheimnis der Rosengärtnerin“ nimmt uns Jill Kaltenborn erneut mit auf die Spurensuche des Briefträgers Sully, der nicht nur Briefe austrägt, sondern sich mutig in die Welt des Gärtnerns und der dunklen Geheimnisse wagt.
Die Handlung verspricht gleich zu Beginn eine schöne Portion Herz, Humor und Spannung: Sully, der nach einem schweren Schicksalsschlag seine Karriere am BKA an den Nagel gehängt hat, sucht im idyllischen Luxemburg einen Neuanfang. Während er sich widerwillig aufs Gärtnern einlässt – obwohl er davon so gar keine Ahnung hat –, stolpert er über einen mysteriösen Fall rund um die kunstvolle Rosengärtnerin Charlotte Dupong. Was hat ihr verschwundener Mann mit der heimlichen Veräußerung der Kunstsammlung zu tun? Und warum will niemand so recht darüber sprechen? Hier wird Provinzgeflüster mit kriminalistischer Köpfchenarbeit gekonnt verknüpft, ohne dabei je ins Trägen abzukippen.
Sully ist mir hier noch sympathischer geworden: authentisch bodenständig, mit messerscharfem Verstand und einer ordentlichen Portion Selbstzweifel, die ihn nahbar macht. Die Nebencharaktere sind liebevoll skizziert, allen voran Patentante Rose, deren wachsames Auge und scharfer Verstand immer wieder für frischen Wind sorgen. Der schreibstil von Kaltenborn ist dabei klar, flüssig und mit einem feinen Augenzwinkern versehen – anders als sperrige Krimis, die man nur mit viel Mühe verschlingt, bleibt diese Geschichte leicht zugänglich und herrlich unterhaltsam. Ich hab mich oft dabei ertappt, wie ich schmunzelnd weitergeklickt habe.
Ein kleiner Wermutstropfen: Manche Szenen ziehen sich an manchen Stellen etwas oder wirken ein bisschen zu nett, fast schon idyllisch, was das Tempo kurzzeitig ein wenig sinken lässt. Für Leser:innen, die auf harten Thriller oder gnadenlose Spannung stehen, könnte das ein Hinderungsgrund sein. Aber genau das ist ja gleichzeitig auch ein Pluspunkt für jene, die eine gemütliche, wenn auch spannende Geschichte mit viel Herz suchen.
Kurz gesagt: Wer Lust auf einen sympathischen Ermittler hat, der auf dem Rad und mit Pfiff ein verschlafenes Dorf aufmischt und dabei noch charmante regionale Atmosphäre schnuppert, der ist mit „Das Geheimnis der Rosengärtnerin“ goldrichtig. Locker, emotional und clever – eine wunderbar eingängige Krimireihe, die auf weiteren Folgen total neugierig macht.
4 von 5 Sternen.