Ein Lied über der Stadt
Kritik
Schon beim ersten Satz spürt man, dass „Ein Lied über der Stadt“ kein gewöhnlicher historischer Roman ist – Ewald Arenz schafft es, eine Geschichte voller Mut, Sehnsucht und Widerstand mitten in einer aufwühlenden Zeit lebendig werden zu lassen. Im Sommer 1929 wächst in der fränkischen Kleinstadt die junge Luise über sich hinaus: Sie will fliegen, die Welt von oben sehen, sich nicht von den engen Grenzen ihrer Herkunft einengen lassen. Ihr Weg zur Pilotin ist nicht nur eine Emanzipationsgeschichte, sondern auch ein Porträt einer Frau, die fest an ihre Träume glaubt – und sich dabei immer wieder gegen das Unvermeidliche stellt.
Die Handlung begleitet Luise auf ihrem Aufstieg als gefeierte Kunstpilotin in München, und dann mitten hinein in die dunklen Schatten der Nazizeit, die alles verändern. Die Figuren sind greifbar und echt – Luise verströmt dabei eine bezaubernde Mischung aus Zartheit und unerschütterlicher Stärke. Besonders gefallen hat mir, wie Arenz die historische Kulisse nicht als graue Bühne, sondern als lebendigen, atmenden Raum zeichnet, der die Charaktere prägt und zugleich spürbar atmet. Der Schreibstil schwebt leicht, aber niemals flach, mit einer Wärme, die es einem leicht macht, mit Luise mitzufiebern, aber auch die bedrückende Stimmung der Zeit zu spüren.
Ein kleiner Kritikpunkt: Manchmal hätte das Tempo etwas schwungvoller sein dürfen. Manche Passagen zogen sich für meinen Geschmack ein wenig, ohne das große Ganze zu gefährden. Aber das ist definitiv Meckern auf hohem Niveau.
Wer Lust auf ein Buch hat, das mehr als nur eine historische Novelle erzählt, sondern von Träumen, Liebe und dem Mut handelt, trotz dunkler Zeiten an sich zu glauben, ist hier goldrichtig. „Ein Lied über der Stadt“ stimmt melancholisch, lebensfroh und kritisch – ein echter Buchfreund-Bonus.
4 von 5 Sternen – ein starkes Buch, das vor allem Herz und Kopf bewegt.