Marmor, Wein und Bienengift: Ein Krimi aus Südtirol
Kritik
Kaum hatte ich das Buch aufgeschlagen, fühlte ich mich sofort mitten hineinversetzt in die rauen Berge und das geheimnisvolle Flair Südtirols – so authentisch, dass man fast den kalten Marmor unter den Fingern spürt. „Marmor, Wein und Bienengift“ nimmt uns mit auf eine düstere Reise nach Laas, wo eine schaurige Entdeckung die Ruhe der kleinen Gemeinde zerstört: Eine junge Frau wurde brutal ermordet, ihr Schädel mit einem Marmorblock zertrümmert. Die Jagd nach der Wahrheit führt Kommissar Matthias Ohnewein und seinen Kollegen Franco Marini quer durch ein Netz aus Steinbruchintrigen, extremistischen Gruppen und einem bizarren Geheimnis um ein Bienen-Gift als Potenzmittel – das klingt erst mal ziemlich abgefahren, funktioniert hier aber überraschend gut.
Die Hauptfiguren sind eine bunte Mischung aus bodenständigen Ermittlern und schillernden Nebencharakteren, besonders die mysteriöse Kräuterfrau bringt eine unerwartete Würze ins Geschehen. Die Dialoge wirken nie gestellt, sondern so, als würde man den Leuten direkt in die Seele blicken. Der Schreibstil ist prägnant, dennoch mit viel Atmosphäre – die wechselnden Perspektiven helfen dabei, den komplexen Plot gut nachvollziehbar zu machen, ohne zu überfrachten. Besonders angenehm: Die Geschichte erzählt sich flott, mit einem Augenzwinkern an genau den richtigen Stellen.
Klar, manchmal ist der Spannungsbogen ein klein wenig holprig, und die Erklärung der S/M-Praxis und des Bienen-Gifts wirkte stellenweise eine Spur zu konstruiert. Auch hätten ein paar Seiten weniger dem Erzählfluss gutgetan, ohne dass irgendwas Wichtiges verloren geht. Trotzdem bleibt der Krimi insgesamt frisch und eigenwillig – eben kein 08/15-Nordic-Noir.
Für alle, die Lust auf eine ungewöhnliche Kombination aus Alpenidylle, Gesellschaftskritik und einem Hauch verrückter Geheimnisse haben, ist dieses Buch definitiv ein Volltreffer. Wer klassisch spannende Krimis mag, aber auch mal frischen Wind und authentisches Lokalkolorit sucht, wird hier gut unterhalten.
4 von 5 Sternen – ein spannender, ungewöhnlicher Krimi, der Mut zu besonderem Stoff beweist und mit viel Südtirol-Flair punktet.