Wer bin ich - und wenn ja wie viele?
Kritik
Manchmal braucht es genau so ein Buch – schlau, spannend und dabei nicht trocken –, um die großen Fragen des Lebens mal anders zu betrachten. „Wer bin ich - und wenn ja wie viele?“ von Richard David Precht lädt auf eine Art Roadtrip in die Philosophie ein, der überraschend frisch und spielerisch ist. Statt sich durch ellenlange Textwüsten zu quälen, fühlt man sich hier eher wie bei einem lockeren Plausch über das Leben, das Ich und das, was Wahrheit eigentlich ausmacht.
Precht verbindet geschickt naturwissenschaftliche Erkenntnisse mit philosophischen Gedankenexperimenten. Dabei begegnet man immer wieder Momenten, in denen man unwillkürlich nickt und denkt: „Ja, genau, so kann man das sehen!“ Er stellt Fragen, die uns alle beschäftigen – vom Sinn der Moral bis zur Identität – ohne dabei zu bevormunden. Seine Stimme wirkt authentisch, fast schon freundschaftlich, was das Lesen sehr angenehm macht. Der Autor schafft es, komplexe Themen überschaubar und unterhaltsam zu vermitteln, ohne dabei an Tiefe einzubüßen.
Klar, das Buch richtet sich eher an Leute, die Spaß daran haben, über sich selbst und das Leben nachzudenken, ohne die Antwort auf der Stelle zu erwarten. Wer knallharte Philosophie mit Fachchinesisch erwartet, könnte enttäuscht sein. Manchmal hätte ich mir etwas mehr Struktur gewünscht, die Gedanken springen hier und da ein bisschen lebhaft hin und her, was zwar unterhaltsam ist, aber auch ein bisschen verwirren kann. Außerdem bleibt die Sache mit den „vielen Ichs“ stellenweise ein bisschen theoretisch, was nicht für jeden leicht zugänglich sein dürfte.
Am Ende ist „Wer bin ich - und wenn ja wie viele?“ genau das richtige Buch für alle, die neugierig auf Philosophie sind, sich selber besser verstehen wollen und dabei keine Lust auf verstaubte Lehrbücher haben. Ein wortgewandter Begleiter, der einem die Tür zu den großen Fragen öffnet, ohne den Eintrittspreis zu verlangen.
4 von 5 Sternen – ein kluger, freundlicher Denkanstoß, den man gern mal seinem Kopf zumutet.