Küstenlicht - Die Inselkommissarin: Ostsee Krimi
Kritik
Kaum angefangen zu lesen, hat mich „Küstenlicht – Die Inselkommissarin“ sofort mitten ins kalte Ostseewasser gezogen – nicht nur wegen der rauen Inselstimmung, sondern vor allem durch die faszinierende Hauptfigur Frieda Lieken. Sie ist nicht die klassische Ermittlerin, die alles locker wegsteckt, sondern eine Frau mit Ecken und Kanten, die gegen ein fieses Mobbing in Lübeck fliehen muss und sich dann unfreiwillig auf Fehmarn wiederfindet. Schon nach den ersten Seiten wollte ich wissen, wie sie sich in dieser neuen Welt behauptet und welchen dunklen Geheimnissen sie am Strand begegnet.
Der Plot startet mit einem dramatischen Fund am Strand und entwickelt sich, ohne lang zu fackeln, zu einem packenden Krimi, in dem sich Intrigen und versteckte Gefahren mit dem ganz eigenen Flair einer Inselgesellschaft vermischen. Besonders spannend fand ich das dynamische Zusammenspiel zwischen Frieda und ihrem grummeligen Vorgesetzten Heiner Eisler – die Funken zwischen den beiden sorgen immer mal wieder für schmunzelnde Momente und etwas Leichtigkeit im ansonsten düsteren Fall. Eva Lirot und Saga Storify schaffen es, mit klaren, lebendigen Sätzen das rauhe Küstenleben fühlbar zu machen, ohne ins Klischeehafte abzurutschen. Die Figur des sonderbaren Menschen am Leuchtturm ist ein gelungener Schachzug, der dem Krimi eine richtig gute Portion Unbehagen verleiht und einen lange in Atem hält.
Kritisch könnte man anmerken, dass man sich an manchen Stellen etwas mehr Tiefe in den Nebenfiguren und der Inselgeschichte gewünscht hätte – die Autorinnen setzen den Fokus stark auf den Fall und Frieda, was zwar für Tempo sorgt, aber manchmal auch ein bisschen Seitenstraßen und Hintergrund vermissen lässt. Etwas mehr Insel-Feeling oder atmosphärische Details hätten das Gesamtpaket aus meiner Sicht noch besser abgerundet.
Wer Lust auf einen Ostsee-Krimi mit einer sympathisch widerspenstigen Kommissarin hat, der angenehme Spannung mit einem Schuss zwischenmenschlichem Zoff verbindet, ist hier genau richtig. Das Buch funktioniert wunderbar als leichtes, aber spannendes Lesevergnügen für alle, die keine epische Krimiliteratur, sondern solides, unterhaltsames Küstenkino auf Papier suchen.
Für mich gibt es 4 von 5 Sternen – weil die Geschichte mitreißt, die Figuren lebendig sind und die Inselkulisse mehr als eine bloße Kulisse, sondern ein fühlbarer Ort ist. Ein Krimi, der Lust macht auf mehr von Frieda Lieken und ihr Kampfgeist einem direkt ans Herz wächst.