Mord auf Föhr - Ein Nordseekrimi-Reihe, Band 3 (Ungekürzt)
Kritik
Kaum hat man in die erste Seite von „Mord auf Föhr“ hineingelesen, fühlt man sich sofort in das rauhe Inselambiente versetzt – salzige Luft, Nordseewind und dieser unterschwellige Hauch von Geheimnissen, die sich in den Gassen und Dünen verbergen. Der dritte Band der Reihe holt einen genau dort ab, wo man die Charaktere zuletzt zurückgelassen hat, und zieht einen in einen neuen, spannenden Fall hinein, der mit einer alten, mysteriösen Tat beginnt.
Im Fokus steht diesmal der Mord an der alten Bertha Franzen, der schon anderthalb Jahre zurückliegt. Was das Ganze sofort besonders macht: Der damals verurteilte Täter beteuert plötzlich seine Unschuld – und genau hier legt Autorin Cornelia Härtl die verminteten Spuren aus. Die Ermittlerin Kari Lürsen ist nicht nur der klassische Nordseekrimi-Hands-on-Charakter, sondern bringt mit ihrem Wechsel zwischen der Inselszene und dem BKA Berlin eine interessante Dynamik in die Spannung. Mir hat ihr souveräner, dennoch nahbarer Umgang besonders gefallen, der dem Fall eine persönliche Note verleiht.
Der Schreibstil ist flott, ohne flach zu wirken, und die Kombination aus Landschaftsbeschreibungen und psychologischer Tiefe zieht einen schnell in die Geschichte. Einziger kleiner Wermutstropfen: Manche Nebenfiguren könnten mit etwas mehr Tiefe versehen sein, denn ab und zu wirkt die Inselgesellschaft ein bisschen arg stereotyp. Trotzdem – das Gefühl, dass hinter jeder Ecke ein neues Geheimnis lauert, macht das Buch zum Pageturner.
Kurzum: Wer auf Nordseekrimis steht, die nicht nur mit Spannung, sondern auch mit Charakteren und einer Prise unerwarteter Wendungen punkten, ist hier bestens aufgehoben. Eine lohnenswerte Lektüre für gemütliche Stunden mit einer Prise Nervenkitzel.
4 von 5 Sternen – weil hier Spannung und Atmosphäre wirklich Hand in Hand gehen, auch wenn ein bisschen mehr Charakterzeichnung nicht geschadet hätte.