Wenn dir das hier gefiel …
Das Haus über dem Fjord
Key Facts
Kritik
Manchmal braucht es einen Rückweg in die Vergangenheit, um sich selbst endlich zu finden – und genau diesen Weg beschreibt Kristin Valla in „Das Haus über dem Fjord“ auf eine so warmherzige wie intensive Weise, dass man sofort mitten im norwegischen Küstendrama steckt. Elin, unsere Protagonistin, kehrt nach Jahren in Oslo in ihr Heimatdorf zurück, um das Elternhaus aufzulösen – ein Haus, das voller Erinnerungen und ungelöster Fragen steckt.
Die Geschichte zieht an uns vorbei wie das raue Fjordwasser: klar, tiefgründig und doch überraschend sanft. Elin ist eine Figur, die man sofort versteht – mit all ihren Sehnsüchten, Ängsten und den kleinen Zweifeln, die sie begleiten. Der Umgang mit Verlust, Schuldgefühlen und der Suche nach Wahrheit wird hier nicht sentimental, sondern echt erzählt. Dazu gesellt sich Ola, die Jugendliebe, dessen Wiedersehen gleich für einige Funken sorgt, ohne ins Kitschige abzurutschen.
Vallas Schreibstil ist angenehm flüssig, mit einer Prise lakonischem Charme, der die Atmosphäre Norwegens zum Greifen nah macht. Man spürt die Kälte, aber auch die Wärme, die in kleinen Momenten steckt. Besonders gut gefallen haben mir die Einblicke in familiäre Bindungen und das ständige Wechselspiel zwischen Vergangenheit und Gegenwart – das wirkt nie verwirrend, sondern vielmehr wie eine schonende Reise zu Elins innerem Kern.
Ein kleiner Wermutstropfen: Gerade beim großen Geheimnis hätte ich mir einen Tick mehr Tempo und Spannung gewünscht. Die ruhige Erzählweise ist zwar stimmig, aber manchmal zogen sich die Passagen, in denen Elin auf Spurensuche geht, etwas lang. Dennoch hat das der Gesamtwirkung kaum geschadet.
Kurz und knapp: Wer gern Geschichten mit Tiefgang mag, die ohne großen Drama-Klamauk auskommen und einfühlsam von Verlust, Liebe und Neuanfang erzählen, liegt mit „Das Haus über dem Fjord“ genau richtig. Ein Buch, das man entspannt mit einer Tasse Tee verschlingen kann – nur nehmt euch dafür Zeit.
4 von 5 Sternen.