Die letzte Predigt - Akte Nordsee, Teil 4 (Gekürzt)
Kritik
Schnappt euch eine Tasse Tee und macht es euch gemütlich, denn „Die letzte Predigt“ zieht dich direkt mitten ins neblige Watt von Estherwieck – da wird es schnell ungemütlich. Ein Pastor, plötzlich tot, das Watt als stille Zeugin, und eine Predigt, die mehr Fragen aufwirft als Antworten gibt. Genau hier beginnt das Rätsel, und schon beim Lesen spürt man: hier ist nichts so, wie es scheint.
Unsere Ermittlerfigur Niklas John steckt ziemlich tief drin in dem ganzen Schlamassel, definitiv kein glattgebügelter Held, sondern jemand, dem man auf jeden Fall die Daumen drückt, auch wenn’s knirscht. Und dann ist da Fentje Jacobsen, die Anwältin, die mit klugem Kopf und etwas Herzblut versucht, Licht ins Dunkel zu bringen. Die Dynamik zwischen den beiden bringt einen schönen Schwung in die Geschichte, keine sterile Ermittlungsprozedur, sondern echtes Zwischenmenschliches – genau das macht den Unterschied.
Eva Almstädt hat einen wunderbar klaren, flüssigen Stil, der einen durch das Watt und die düsteren Geheimnisse trägt, ohne zu sehr ins Detail abzugleiten. Mich hat besonders die Mischung aus Spannung und Gefühl gepackt, der Blick auf die Nordsee-Region schafft Atmosphäre, ohne sich zu sehr in der Kulisse zu verlieren. Allerdings hätte ich mir an manchen Stellen gewünscht, dass die Auflösung etwas weniger vorhersehbar wäre – das hat dem Nervenkitzel ein bisschen die Spitze genommen.
Für alle, die gern eine gut erzählte Kriminalgeschichte schätzen, bei der Charaktere mit Leben gefüllt sind und die sich nicht hinter komplizierten Plot-Gebilden versteckt, ist „Die letzte Predigt“ definitiv ein Volltreffer. Empfehlenswert für entspannte Krimiliebhaber, die den norddeutschen Flair mögen und sich gern mal in ein Wattdickicht voller Geheimnisse und menschlicher Abgründe entführen lassen.
Für mich gibt’s solide 4 von 5 Sternen – spannend, emotional, nordisch kühl und dabei ganz nah dran. Ein Buch, das man sicher nicht so schnell aus der Hand legen will.