Wenn dir das hier gefiel …
Das Blau auf der anderen Seite
Key Facts
Kritik
Manchmal liest man ein Buch und spürt direkt: Hier geht’s um mehr als nur eine Geschichte, hier trifft man auf echtes Leben in all seinen Farben – und natürlich auch das Blau, das so beruhigend und so schmerzhaft zugleich sein kann. „Das Blau auf der anderen Seite“ von Lucinde Hutzenlaub ist genau so ein Roman, der unter die Haut geht und noch lange nachhallt.
Im Mittelpunkt stehen Karla und Marge – zwei Frauen, die unterschiedlicher kaum sein könnten und doch durch ein unsichtbares Band verbunden werden. Karla hat gerade den wohl tiefsten Abschied ihres Lebens erlebt und findet sich auf einer Reise wieder, die sie eigentlich nicht antreten wollte. Marge dagegen lebt schon seit Jahrzehnten fern der Heimat, trägt Erinnerungen mit sich, die schwer sind, und öffnet Karla eine Tür in eine ganz neue Welt – im wahrhaft überwältigenden Neuseeland. Die Schnittmenge ihrer Schicksale flicht das Buch mit viel Feingefühl zusammen, ohne jemals kitschig zu wirken.
Die Charaktere sind wunderbar lebendig gezeichnet, besonders Marge mit ihrer eigensinnigen, aber warmherzigen Art begeistert. Hutzenlaub schreibt klar, einfühlsam und mit einer Leichtigkeit, die schwere Themen wie Trauer, Verlust und Neuanfang nicht beschwert wirken lässt, sondern Raum zum Atmen schafft. Man fühlt sich fast, als würde man selbst neben den beiden Frauen auf der Apfelplantage sitzen, den großen Himmel über Neuseeland sehen und diese besondere Mischung aus Schmerz und Hoffnung schmecken.
Ein kleiner Wermutstropfen: Die Handlung zieht sich an manchen Stellen ein wenig, gerade wenn es um die historischen Rückblicke geht. Das Tempo könnte für Leser:innen, die es gerne flotter mögen, eine kleine Herausforderung sein. Aber wer bereit ist, sich auf die Tiefe des Buches einzulassen, wird reich belohnt.
Wer Lust auf eine emotionale Reise mit viel Gefühl, echten Menschen und einer Prise Hoffnung hat, sollte „Das Blau auf der anderen Seite“ definitiv eine Chance geben. Es ist kein leichtes Buch, aber eines, das zeigt, wie befreiend es sein kann, loszulassen und neu anzufangen.
4 von 5 Sternen – weil das Herz hier ganz klar gewinnt, auch wenn der Rhythmus manchmal ein bisschen wackelt.
Klappentext
Joshua sagt, der Himmel hier über Neuseeland sei größer und viel blauer. Er hat recht. Dieser Himmel erzählt andere Geschichten. Geschichten von Hoffnung, vielleicht. Oder vom Überleben.
Ihre Hochzeitsreise sollte Karla und Sebastian nach Neuseeland führen. Doch Sebastian stirbt, und Karla steht vor den Scherben ihres Lebens. Dass es ihr gelungen ist, den Flug nach Christchurch dennoch zu buchen, wundert sie selbst am meisten. Als sie einen Zwischenhalt auf der Apfelplantage der 97-Jährigen Auswandererin Marge macht, stößt sie in der Scheune auf Dokumente von Dr. Joshua Eichelbaum, die von einer dunklen Epoche in Deutschland erzählen. Und von einem Band, das die beiden ungleichen Frauen auf schicksalhafte Weise verbindet.
Ein tief unter die Haut gehender Roman über Neuanfänge in Neuseeland, eine höchst ungewöhnliche Frauenfreundschaft und die Möglichkeit einer jungen Witwe, über Mut, Liebe und Freundschaft einen Weg in die Zukunft zu finden.